Experten nach Börsenrutsch aber zuversichtlich

Anleger brauchen starke Nerven

Offenbach - Die Börsen rund um den Globus sind mit starken Kursabschlägen ins Jahr gestartet. Vor allem die Angst vor einer starken Abkühlung der Konjunktur in China sorgt bei Investoren für Verunsicherung. Von Marc Kuhn

„Auch 2016 sind Schwankungen wie in 2015 an den Aktienmärkten unvermeidbar, diese können sogar noch extremer als letztes Jahr werden“, sagte Guido vom Schemm, Geschäftsführer des Vermögensverwalters GVS Financial Solutions mit Sitz in Dreieich, unserer Zeitung. „Die ersten Fakten wurden bereits geschaffen - die Märkte rund um den Globus gaben zum Jahresstart deutlich nach. “.

Die schlechten Konjunkturdaten sind nach Ansicht des Chefanlagestrategen der Commerzbank, Chris-Oliver Schickentanz, nicht der Grund für den Börsenabsturz in China. Er spricht von einer Verschiebung der Wahrnehmung an den Märkten. Bisher hätten Investoren den Eindruck gehabt, dass Peking die Lage beherrsche. Doch dann seien die Eingriffe am Kapitalmarkt gekommen und hätten Misstrauen geschürt.

Starke Nerven seien gefragt, erklärte vom Schemm. Von starken Schwankungen an den Börsen in diesem Jahr geht auch Schickentanz aus. Vom Schemm ergänzte: „Aber die Voraussetzungen für eine Hausse (einen nachhaltigen Anstieg) an den europäischen Aktienmärkten 2016 sind in Summe gegeben. Vermutlich helfen uns unsere amerikanischen Notenbankfreunde am stärksten“, sagte der Vermögensprofi mit Blick auf die Politik der niedrigen Zinsen in den USA. „Die Zutaten für ein ordentliches erstes Börsenquartal in der Euro-Zone sind angerichtet: billiges Geld, schwacher Euro und steigende Unternehmensgewinne sollten Dax und EuroStoxx50 beflügeln.“

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Vom Schemm zeigte sich für die Entwicklung in China zuversichtlich. Das Land verbrauche immer mehr Öl und kaufe es aktuell günstig ein. Das die Wachstumsraten in China niedriger werden, sei „völlig in Ordnung“. Von geringeren Wachstumsraten um sechs Prozent geht auch Schickentanz aus. Er erinnerte aber daran, dass es sich um weiterhin „spürbar positive Wachstumsraten“ handele. Die Wirtschaft in Amerika bereitet von Schemm dagegen Sorgen. „China wird die USA als Weltmacht ablösen.“

Mit so hohen Wachstumsraten in China wie in der Vergangenheit rechnet auch der Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, Ulrich Stephan, nicht mehr. „Dieses Tempo wird nicht wiederkommen, denn das Land soll ja gerade von Industrie und Export auf Binnenmarkt und Konsum umstellen - weniger, aber qualitätsvoller wachsen“, sagte Stephan unserer Zeitung. „Daher scheint mir die Angst vor einem Konjunkturcrash ebenso überzogen wie die heftigen Kursabschläge weltweit, die in den USA noch vom weiteren Ölpreisverfall verschärft wurden.“ Der Konsum könne den chinesischen Binnenmarkt wohl ebenso weiter stützen wie staatliche Investitionen. „Darauf deuten auch die Stimmungsindikatoren der Dienstleister hin, die noch immer Wachstum anzeigen - anders als in der Industrie. Die verliert aber im Zuge des Umbaus der Wirtschaft spürbar an Bedeutung und damit auch der Export. Deshalb steht das Land wohl eher vor einer politisch gewollten Abkühlung als vor dem verheerenden Konjunktureinbruch, den so viele fürchten.“

Private Investoren sollten nach den Worten von Schickentanz ihre Aktien halten oder Anteilscheine kaufen. „Das wird sich in sechs bis zwölf Monaten auszahlen.“ Vom Schemm rät Anlegern zu einer Mischung aus mehr Aktien, weniger Anleihen, einem vernünftigen Anteil Gold und Bargeld in Tages- oder Festgeld. „Das mindert das Verlustrisiko und schont die Nerven.“

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