Auch die Deutsche Bank in Offenbach bietet Patenschaften an.

Banker gehen in die Schule

Frankfurt/Offenbach (dpa/ku) ‐ Der Banker Holger Lindner geht wieder zur Schule. Nicht, um fürs Leben zu lernen, sondern um Jugendlichen in Hessen etwas über Wirtschaft, Geld und die aktuelle Krise zu erzählen. „Erfahrungen im Ausland zeigen, dass Schüler dort oft früher in wirtschaftspolitische Diskussionen eingebunden werden“, sagt der Deutsche-Bank-Mitarbeiter. Immer mehr Geldhäuser entwickeln nach dem Vorbild der Sparkassen Materialien zum Thema „Finanzielle Allgemeinbildung“ in Schulen. Den Sparkassen-Schulservice gibt es nach Angaben von Verbandssprecherin Michaela Roth inzwischen seit mehr als 35 Jahren. Auch die Fondsbranche ist aktiv.  

Lindner ist einer von 1 200 Deutsche-Bank-Mitarbeitern, die derzeit bundesweit an Workshops teilnehmen. „Unser Ziel ist es, bis Ende Mai in allen 770 Deutsche-Bank-Filialen einen Referenten zu haben, der die Patenschaft für eine Schule in der Region übernimmt“, erklärt Sprecherin Evelyn Koch. In Hessen gebe es bisher etwa 120 Referenten. Für die ein bis zwei Unterrichtsbesuche pro Jahr bekommen die Banker Urlaub.

Auch die Deutsche Bank in Offenbach sucht nach Schulen, die Interesse an einer Patenschaft haben. „Mit unserer Initiative wollen wir dazu beitragen, Schülern frühzeitig ein Verständnis für elementare Wirtschaftsfragen zu vermitteln“, sagt Dirk Hellmuth, Filialleiter der Deutschen Bank in Offenbach unserer Zeitung. Geplant sind zwei bis drei Unterrichtsbesuche pro Jahr, die ein Mitarbeiter des Instituts in Absprache mit den Lehrern gestaltet. „Wir wollen mit den Schülern interessante Themen im Umgang mit Geld und Vermögen diskutieren. Dabei sollen auch Fragen zu wirtschaftlichen Zusammenhängen oder zur Finanzkrise erörtert werden“, berichtet Hellmuth. Neben den Unterrichtsbesuchen sehen die Schulpatenschaften weitere Aktionen vor, wie zum Beispiel das Angebot von Schulpraktika, die Unterstützung bei der Berufswahlorientierung und die Teilnahme an Bildungsprogrammen der Bank.

Die Fortbildung für den Schuleinsatz wird von Bankern, Lehrern und Schülern gemeinsam gestaltet. Dabei sieht der Bad Homburger Lehrer Hans-Jürgen König Verbesserungsbedarf. „Die Banken sollten die didaktischen Kompetenzen der Schule mehr mit einbeziehen“, meint der Pädagoge des Kaiserin-Friedrich-Gymnasiums. Die Angebote sollten sich noch mehr an den Bedürfnissen der Schüler orientieren. Dennoch sieht König in der Zusammenarbeit mit außerschulischen Institutionen „eine echte Bereicherung“.

Das Engagement vieler Geldinstitute ist auch eine Reaktion auf die zunehmende Verschuldung junger Menschen. „Wenn donnerstags die offene Sprechstunde ist, können Sie davon ausgehen, dass sehr viele Jugendliche kommen“, sagt Sigrid Weber von der Caritas- Schuldnerberatung in Frankfurt. Meist seien Konten überzogen, weil Handy rechnungen nicht bezahlt werden könnten.

Das hessische Kultusministerium begrüßt es, „wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Banken und Unternehmen in die Schulen gehen, um aus der Praxis zu berichten“, wie Ministeriumssprecher Alexander Hirt erklärt. Die Verbraucherzentrale Hessen reagiert hingegen kritisch auf die enge Verbindung zwischen Schulen und Banken. „Meiner Ansicht nach hat Werbung in der Schule nichts zu suchen“, sagt eine Frankfurter Verbraucherschützerin.

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