Streik wirbelt Luftverkehr durcheinander

Berlin - Kaum ist der Flughafenstreik in Frankfurt beendet, kommt Berlin-Tegel an die Reihe. Die Ausfälle halten sich aber in Grenzen. Die Gewerkschaft sieht den Grund dafür in Streikbrechern.

Zwei Tage nach dem Ende des Arbeitskampfes am Frankfurter Flughafen hat am Freitag ein Warnstreik in Berlin die Flugpläne durcheinandergebracht. Die Gewerkschaft Verdi hatte am frühen Morgen rund 200 Beschäftigte des Flughafendienstleisters GlobeGround in Tegel kurzfristig aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. 30 Flüge fielen laut Betreiber am viertgrößten deutschen Flughafen aus, es gab Verspätungen von bis zu eineinhalb Stunden.

„Wir scheinen mit einem blauen Auge davongekommen zu sein“, sagte Flughafensprecher Leif Erichsen nach dem dreieinhalbstündigen Ausstand. Passagiere müssten aber noch länger mit Einschränkungen rechnen. „Wir hoffen, dass wir im Laufe des Nachmittags in den Normalbetrieb zurückkehren können.“

Von den Ausfällen waren vor allem Verbindungen nach Frankfurt/Main, Stuttgart und München betroffen. Insgesamt standen rund 470 Starts und Landungen auf dem Tegeler Flugplan für Freitag. Am zweiten Berliner Flughafen in Schönefeld wurde nicht gestreikt.

Die Gewerkschaft Verdi wollte mit der Aktion Druck auf die laufenden Tarifverhandlungen bei GlobeGround machen. Das Unternehmen kümmert sich mit 1500 Mitarbeitern um 80 Prozent der Dienstleistungen in Tegel und Schönefeld, von der Passagier- und Gepäckabfertigung bis zur Vorfeldkontrolle und dem Betanken der Maschinen.

„Ich bin hoch zufrieden mit der Beteiligung“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Jens Gröger auf der Abschlusskundgebung. „Unzufrieden bin ich mit den Arbeitgebern, die wieder einmal Streikbrecher eingesetzt haben.“ Um das zu verhindern, hatte die Gewerkschaft den Warnstreik erst etwa eine halbe Stunde vor Beginn um 6.00 Uhr angekündigt.

Erst in der vergangenen und in dieser Woche hatten am größten deutschen Airport in Frankfurt/Main die Vorfeldmitarbeiter die Arbeit niedergelegt und so für Flugausfälle und Verspätungen auch in Berlin gesorgt. Das Arbeitsgericht hatte den Streik am Mittwoch schließlich untersagt. Die Berliner Auseinandersetzung hängt damit nicht zusammen.

In Berlin forder Verdi 4 Prozent mehr Geld für zwölf Monate. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben für die unteren Einkommen Tariferhöhungen von bis zu 18 Prozent vorgeschlagen, in höheren Einkommensgruppen aber auch Einschnitte verlangt. GlobeGround wollte man sich am Morgen zunächst nicht zu den Warnstreiks äußern.

Als zweiter Flughafendienstleister ist das Unternehmen Acciona Airport Service GmbH in Berlin aktiv. Verdi will im Konflikt mit GlobeGround auch erreichen, dass der Tarif für allgemeinverbindlich für die Berliner Flughäfen erklärt wird. Der Betreiber plane, eine dritte Lizenz zu vergeben. Die Gewerkschaft will verhindern, dass der Wettbewerb über die Löhne und Gehälter ausgetragen wird.

dpa

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