„Bescheide vom Finanzamt öfter fehlerhaft“

Frankfurt - (ku) Das Steuerrecht in Deutschland ist kompliziert. „Kein Wunder, dass Finanzämter immer mehr fehlerhafte Bescheide versenden und die Steuer aufgrund umstrittener gesetzlicher Regelungen berechnen“, erklärte die Kanzlei Ebner Stolz Mönning Bachem in Frankfurt. Daher würden Einkommensteuerbescheide häufig nur noch als vorläufig eingestuft.

„Mit begrenztem Abzug von Versicherungsaufwendungen, dem Ausbildungsfreibetrag für volljährige Kinder, dem Abzug von privaten Steuerberatungskosten und weiteren Themen sind derzeit insgesamt zwölf Punkte strittig, zu denen Einkommensteuerbescheide einen Vorläufigkeitsvermerk erhalten“, heißt es weiter. Darüber hinaus ergingen Bescheide auch wegen der Pendlerpauschale nur vorläufig, bis ein Gesetz die vom Bundesverfassungsgericht angeordnete Änderung umsetze.

„Ein Erlass des Bundesfinanzministeriums fügt nun mit dem heimischen Arbeitszimmer einen weiteren Streitpunkt hinzu, wodurch die Einschränkung seit 2007 erst einmal nur vorläufig festgesetzt wird“, berichtete die Kanzlei. Hintergrund dieser Maßnahme seien anhängige Verfahren zu der Frage, ob es Werbungskosten für das heimische Büro weiterhin nach der günstigen Regelung aus dem Jahr 2006 geben müsse und die Änderung gegen das Grundgesetz verstoßen könnte.

Ein solcher Vorläufigkeitsvermerk führe dazu, dass Steuerbescheide zu den aufgelisteten Themen so lange offen bleiben, bis die Gerichte entschieden hätten. „Steuerzahler profitieren daher automatisch von positiven Urteilen“, sagte Steuerberater Marcus Grzanna von Ebner Stolz Mönning Bachem. „Sollte beispielsweise Karlsruhe die Kürzungen beim Arbeitszimmer als verfassungswidrig einstufen, dann erhalten viele Berufstätige wie etwa Lehrer eine Steuererstattung, die bei langer Verfahrensdauer auch noch verzinst wird.“

„Generell sollten Steuerzahler ihre Einkommensteuerbescheide für 2008 in Hinblick auf den Vorläufigkeitsvermerk überprüfen, die in den kommenden Wochen anstehen“, rät der Steuerberater weiter. Fehle dieser etwa zu Arbeitszimmer, Rentenbesteuerung oder den Steuerberatungskosten, könne der Vermerk noch nachträglich gefordert werden.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare