Verband fordert einheitliche Ausbildung

Betreuer soll anerkannter Beruf werden

Offenbach - Immer mehr Deutsche können ihr Leben nicht mehr allein meistern und brauchen einen Betreuer. Rund 1,4 Millionen sind es aktuell, in Hessen 100.000. Von Christoph Zöllner

Um den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden, fordert der Bundesverband der Berufsbetreuer (BdB) klar definierte Qualitätsstandards und eine bessere Vergütung. Betreuer treffen wichtige Entscheidungen, etwa über finanzielle Ausgaben oder medizinische Versorgung, ob jemand zu Hause oder im Pflegeheim untergebracht wird. Nach Angaben des Sozialministeriums arbeiten in Hessen mehr als 18.000 Menschen als Betreuer. Die weit überwiegende Zahl (mehr als 11.000) von ihnen sind Familienangehörige. Bislang ist Berufsbetreuung kein geschützter Beruf. Der Kandidat müsse lediglich „geeignet sein“, erläutert der BdB-Vorstandsvorsitzende Thorsten Becker aus Gießen. Über diese Eignung befinden die Betreuungsbehörden oder -gerichte. Becker zufolge haben mehr als 70 Prozent aller Berufsbetreuer, die beim BdB Mitglied sind, einen Hochschulabschluss. Viele verfügten über einen sozialpädagogischen oder pädagogischen Hintergrund. „Der BdB setzt sich seit Jahren für eine geregelte Zulassung zum Beruf ein, für eine verbindliche Ausbildung sowie für klar definierte Qualitätsstandards, die für alle bindend sind“, sagt Becker.

Immer mal wieder gibt es Berichte in den Medien über schwarze Schafe, die ihren Klienten Geld abknöpfen oder in deren Testament bedacht werden. Die Delegierten des BdB haben zwar im vergangenen Jahr beschlossen, dass Mitglieder kein Erbe aus beruflichen Betreuungen annehmen. Becker geht diese Selbstverpflichtung aber noch nicht weit genug. Er fordert, dass Betreuung als Profession anerkannt wird: „Dies ist Grundlage dafür, dass eine Selbstverwaltung des Berufes über eine Kammer und damit auch eine effiziente Sanktionierung von straffällig gewordenen Berufsbetreuern möglich wird.“ Die Kammer habe unter anderem die Aufgabe, Berufsverbote zu verhängen.

Wer früher Probleme damit hatte, sein Leben zu regeln und die notwendigen Entscheidungen zu treffen, wurde entmündigt. Doch 1992 hat der Gesetzgeber die traditionelle Vormundschaft durch eine Betreuung, eine aktivierende Unterstützung, von Menschen ersetzt. Sie soll Hilfsbedürftige, die etwa unter einer fortgeschrittenen Demenz leiden oder sich in einer schweren seelischen Krise befinden, schützen. „Die Einführung des Betreuungsrechts 1992 war ein Meilenstein“, urteilt Becker. Damit sei ein großer Schritt in Richtung Selbstbestimmung der Betroffenen gelungen. Allerdings müsse bei den Paragrafen noch „viel vormundschaftlicher Ballast“ abgeworfen werden, meint der Vorstandsvorsitzende.

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