Es bleiben die Lahmen

Die Konjunkturwerte gehen nach oben, während es mit Deutschland abwärts geht. Von Christian Reinartz

Die Wunden, die die Wirtschaftskrise bisher in den Leib der Nation gerissen hat, sind tief. So tief, dass sie von selbst nicht mehr heilen werden. Menschen, die jung und dynamisch sind, werden reihenweise von den Unternehmen vor die Tür gesetzt. Keine Familie, keine langjährigen Arbeitsverträge – niemand ist einfacher zu kündigen. Kein Wunder, dass 2008 mehr Menschen ausgewandert als eingewandert sind. Die aktuellen Zahlen werden noch erschreckender sein.

Zurück bleiben die Fußlahmen, oder die Unglücklichen, die sich mit ihrem Schicksal abfinden. Denn wer sich einen Job in der Ferne sucht, der hat die Grundeigenschaften, die Unternehmen brauchen: Entschlossenheit, Selbstvertrauen, Mut. Doch die sind ein für allemal verloren, wenn die Guten die Grenze passieren. Sie machen Karriere in der Schweiz, in Schweden oder den USA. Dort wird ihr Können gewürdigt. Dort bekommen nur die einen Job, die etwas drauf haben. Und es fliegen auch nur die, die selbiges vermissen lassen. Stattdessen kleben in Deutschland die schwerer Kündbaren auf ihren Stühlen, während die Jungen gefeuert werden – damit die Rendite stimmt. Doch dass die Unternehmen sich damit selbst die Zukunft verbauen, kümmert nicht. Wenn Regierung und Firmen weiterhin die guten Leute aus dem Land treiben, gibt es keine Zukunft als führende Wirtschaftsnation. Diesen Platz werden dann die Länder einnehmen, in die heute gutausgebildete Deutsche flüchten.

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