„Senioren“ - wer ist eigentlich damit gemeint?

Leipzig (AP) Der 9. Deutsche Seniorentag, der gestern in Leipzig begann, ist für „ältere Menschen“ gedacht. Viele der Gemeinten dürften sich gar nicht angesprochen fühlen: Senioren werden dort als „Generationen 50plus“ definiert.

Die 50-jährige Popsängerin Madonna eine Seniorin? Die 50er rechnen sich auf jeden Fall noch dem mittleren Alter zu. Sie mag es trösten, dass als „Senioren“ auch schon Sportler zwischen 20 und 30 Jahren bezeichnet werden.

Das Adjektiv senior ist abgeleitet von dem lateinischen Wort „senex“, was „alt“ bedeutet. Zur Unterscheidung des Vaters vom Sohn und des älteren Geschäftsmanns vom Junioren steht es für den Älteren. Im Sprachgebrauch ist Senior meist eine freundlich gemeinte Bezeichnung für Rentner. So sagt man Seniorenheim statt Altersheim, Seniorenkarte für ermäßigten Eintritt oder Fahrpreisnachlass und Seniorenstudium.

Nach einer Studie der Forschungsgruppe 50+ an der Universität Osnabrück erscheint die Generation der 50- bis 70-Jährigen so jung wie keine vor ihr. Die Älteren, darunter die 68er, haben ein reges Sexleben, stehen politisch in der Mehrzahl links, unternehmen Erlebnisreisen, gehen ins Kino und auf Tanzpartys. Rund 60 Prozent fühlen sich demnach zu fit für die Rente und möchten auch nach dem 65. Lebensjahr arbeiten. Die Älteren haben auch viel Geld, nämlich 113 Prozent des Durchschnittseinkommens. Mit 22 Millionen stellen die 50- bis 70-Jährigen 45 Prozent der Wähler.

Der Seniorentag bietet bis Mittwoch rund 100 Veranstaltungen an. Das Themenspektrum ist sehr weit: freiwilliges Engagement, Reisen und Bildung, Internet und Technik, Wohnen und Wohnumwelt, Gesundheit, Vorsorge und Finanzen sowie Verbraucherschutz. Die politische Rentendiskussion spielt ebenfalls eine Rolle: Die 20 Millionen Rentner müssen sich auf Nullrunden oder sehr geringe Erhöhungen einstellen. Die Höhe der Renten in Ost und West soll zur Sprache kommen und auch der Vorwurf, dass die älteren Generationen den Jüngeren untragbare Lasten aufbürdeten. Veranstalter des Seniorentags ist die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO); sie vertritt über die ihr angeschlossenen 101 Verbände nach eigenen Angaben etwa 13 Millionen ältere Menschen.

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