Senioren immer wichtiger als Zielgruppe für die Wirtschaft

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Ein Notrufgerät wird in der Ausstellung Senova beim Deutschen Seniorentag in Leipzig begutachtet.

Leipzig (AP) Ältere Menschen werden für die Wirtschaft zu einer immer interessanteren Zielgruppe. Kein Wunder: Berechnungen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zufolge beträgt die Pro-Kopf-Kaufkraft der Generation 60 plus pro Jahr 19 982 Euro.

Damit liegen die Senioren noch über der gern als werberelevante Zielgruppe genannten Bevölkerungsgruppe der 15- bis 49-Jährigen, die statistisch gesehen 19 131 Euro pro Jahr zur Verfügung haben. Zudem sind die Senioren auch bereit, sich von ihrem Geld zu trennen - Seniorenhaushalte sind nach Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung überdurchschnittlich konsumfreudig.

Das Bild verdichtet sich noch einmal deutlich, wenn man die Generation der über 50-Jährigen einbezieht. Die 50 bis 59 Jahre alten Konsumenten verfügen über eine jährliche Pro-Kopf-Kaufkraft von 24 008 Euro, wie die GfK berichtet. In der Alterspyramide zeigt sich, dass diese Zielgruppen auch in Zukunft von Bedeutung für die Wirtschaft sein werden: Der Konsumanteil der Generation 50 plus steigt nach einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger von 52 Prozent im Jahr 2005 auf 58 Prozent im Jahr 2035. Allein der Anteil der über 75-jährigen Konsumenten wird sich bis dahin von 5 auf 9 Prozent fast verdoppeln.

Und diese Verbraucher und Konsumenten stellen ganz eigene Anforderungen an die Entwickler von Produkten und Anbieter von Dienstleistungen. Denn während sie bei Waren des alltäglichen Bedarfs wie Nahrungsmittel und Getränke sowie Bekleidung weniger ausgeben, nehmen sie für Pflege- und Gesundheitsprodukte, für Wellness und häusliche Einrichtung sowie vor allem auch für Reisen und Tourismus wesentlich mehr Geld in die Hand. Über 75-Jährige geben laut Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend grob gerechnet doppelt so viel für Gesundheitspflege aus wie 20- bis 49-Jährige.

Zahlreiche Hersteller haben sich schon heute auf die besonderen Bedürfnisse ihrer älteren Klientel eingestellt. So werden zunehmend Geräte angeboten, die etwa der nachlassenden Sehkraft im Alter Rechnung tragen. Dabei müssen Senioren auch nicht auf Dinge wie Mobiltelefone verzichten, Geräte mit besonders großen Tasten und einfacher Bedienung sind in immer größerer Auswahl zu haben.

Da ältere Menschen naturgemäß eher an gesundheitlichen Beeinträchtigungen leiden, haben verschiedene Hersteller sich auf Systeme spezialisiert, mit denen Notrufe von zu Hause oder auch von unterwegs an eine Zentrale abgesetzt werden können. Damit ermöglichen sie den Senioren zugleich, mobil zu bleiben.

Der steigende Anteil älterer Menschen - die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass der Anteil der über 60-Jährigen an der Weltbevölkerung von heute zehn auf 21 Prozent im Jahr 2050 ansteigen wird - bringt etwa auch für die Bauwirtschaft neue Impulse im Bau- und Ausbaubereich. Haushalts- und personenbezogene Dienstleistungen können ebenfalls von diesem Trend profitieren.

Ganz besonders gefordert dürfte die Freizeit- und Erlebnisbranche sein: Senioren von heute und morgen wollen reisen - Hoteliers, Gaststätten und Reiseveranstalter müssen sich auf die Zielgruppe einstellen. Wenngleich es sich im Vergleich zu den Steigerungen im Bereich der Gesundheits- und Pflegeprodukte bescheiden ausnehmen mag, so ist ein prognostiziertes Plus von bis zu 16 Prozent bei den Ausgaben für Reise und Freizeit nicht zu verachten. Auch speziell auf Senioren zugeschnittene Möbel und Haushaltsgeräte könnten einen Innovationsschub auslösen.

Die Studien sehen in dieser Entwicklung deutliche Chancen insbesondere für die deutsche Wirtschaft. Die Alterung der Gesellschaft beginnt nämlich auf europäischer Ebene in Deutschland am frühesten. Wenn deutsche Unternehmen und Dienstleister rechtzeitig darauf reagieren, können sie sich ihrer ausländischen Konkurrenz gegenüber deutliche Vorteile im Wettbewerb sichern.

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