Blutspender können später „in Rente“

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Blutspende beim DRK: Die Reserven werden im Sommer knapp.

Gefährliche Engpässe bei der Versorgung mit Blut sind programmiert. Beim Deutschen Internistenkongress im April etwa erklärte Lothar Engelmann, Leiter der Intensivmedizin an der Uniklinik Leipzig, dass die Bereitschaft zur Spende in Deutschland sinke und dem ein wachsender Bedarf an Blutkonserven gegenüberstehe. Von Peter Schulte-Holtey 

Diese Entwicklung ist nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI) auf den demografischen Wandel der westlichen Industriestaaten zurückzuführen. „Rund 70 Prozent der Blutkonserven werden bereits jetzt für Patienten benötigt, die älter als 60 Jahre sind. Zweifelsfrei wird diese Patientengruppe in den kommenden Jahren weiter wachsen“, warnte er.

Mit Eberhard Weck vom DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg - Hessen sprach unser Redaktionsmitglied Peter Schulte-Holtey.

Warum haben Sie eine neue Altersgrenze für die Blutspende eingeführt?

Blutspender in den besten Jahren gehören oftmals zu den engagiertesten, körperlich wird diese Altersgruppe zugleich immer fitter. Unter dem Motto: „Zu fit um aufzuhören“, hat der DRK-Blutspendedienst die Altersgrenze für Blutspender bis zum 71. Geburtstag angehoben.

Was müssen die betroffenen Senioren beachten?

Bei der Zulassung von Blutspendern über 68 Jahren müssen zusätzliche gesundheitliche Vorsorge-Maßnahmen ergriffen werden, denn keinesfalls darf die Gesundheit des Spenders beeinträchtigt werden. Zur Sicherheit müssen diese Blutspender bei ihrer nächsten Vorsorge-Untersuchung durch den Hausarzt eine Bescheinigung ausfüllen lassen und diese zu Blutspenden nach dem 69. Geburtstag mitbringen. Personen in diesem Alter haben alle zwei Jahre die Möglichkeit zu einer Vorsorgeuntersuchung. Der sogenannte Gesundheits-Check-up dient zur Früherkennung von Krankheiten und wird von den Krankenversicherungen finanziert. Für den „Gesundheits-Check-up“ entstehen keine Kosten, auch keine Praxisgebühr.

Wie wird sich die Blutversorgung in den nächsten Wochen entwickeln?

Besonders die Sommerferien sind kritisch. Viele nutzen diese Zeit(en) für Kurz- oder Jahresurlaube, sind daher nicht anwesend und stehen somit zur Blutspende nicht zur Verfügung. Wenn nur zehn Prozent der Deutschen verreist sind, betrifft dies auch zehn Prozent unserer regelmäßigen Blutspender - die Zahl der Blutspenden geht entsprechend zurück. Zugleich treten wir in der warmen Jahreszeit mit vielen attraktiven Freizeitangeboten in Konkurrenz. Gerade während der ersten Sonnentage in Frühjahr macht sich das besonders bemerkbar. Der erste Biergartenbesuch, die Ausfahrt mit dem Motorrad oder der Garten lässt so manchen die Wichtigkeit der Blutspende vorübergehend vergessen. Da Blut für Transfusionszwecke ein kurzlebiges Gut ist, einige Bestandteile wie die Blutplättchen - Thrombozyten - zur Blutgerinnung sind nur vier Tage haltbar, rote Blutkörperchen - Erythrozyten - nur 35 Tage, können im Vorfeld keine ausreichenden Vorräte angelegt werden.

Was unternimmt der DRK-Blutspendedienst?

Wie gesagt fehlt urlaubsbedingt ein Teil unserer regelmäßigen Spender. Diese machen über 90 Prozent der Besucher eines Blutspendetermines aus, nur knapp zehn Prozent sind erstmalige Blutspender. Durch verstärke Werbung versuchen wir, den Anteil der Erstspender zu erhöhen. Konkret läuft derzeit eine Aktion die sich an unsere Mehrfachspender richtet: Jeder, der einen neuen Blutspender mitbringt, erhält von uns ein exklusives Badetuch mit aufgedruckten Spiel.

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