Druckmaschinenbauer sehen Lichtblick

Heidelberg/Augsburg (dpa/ku) - Wenige Branchen wurden von der Wirtschaftskrise so schwer getroffen wie die Druckmaschinenindustrie. „manroland“ rutschte in die Insolvenz. Weltmarktführer Heidelberger Druck schreibt weiter rote Zahlen, ist aber vorsichtig optimistisch.

Die gebeutelte Druckmaschinenindustrie kommt nur langsam aus der Krise. Nach der Pleite von „manroland“ Ende des vergangenen Jahres und wegen des Sparprogramms von Heidelberger Druck haben mittlerweile tausende Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verloren. Erst Anfang des Jahres hatte Heideldruck angekündigt, bis 2014 weitere 2000 Stellen zu streichen. Und das Heidelberger Unternehmen schreibt weiter rote Zahlen. Im vergangenen Geschäftsjahr (31. März 2012) vergrößerte sich der Verlust von 129 auf 230 Millionen Euro. Im laufenden Geschäftsjahr erwartet der Konzern wegen der Kosten für die Sanierung noch ein negatives Ergebnis vor Steuern, 2013/2014 soll ein Jahresüberschuss erwirtschaftet werden.

Immerhin sieht die gebeutelte Branche einen Lichtblick und Zeichen für eine Markterholung. Auf der Branchenmesse Drupa sei die Stimmung trotz der schwierigen Situation optimistisch gewesen, sagte Heidelberger- Druck-Chef Bernhard Schreier gestern.

In den Schwellenländern steigt das Druckvolumen

Die Investitionszurückhaltung nehme langsam ab. Vor allem in den Schwellenländern steige das Druckvolumen, in den Industrienationen stabilisiere es sich auf einem hohen Niveau. Neben den Schwellenländern sieht Heideldruck vor allem in der Verpackungsindustrie, beim Digitaldruck und bei Verbrauchsmaterialien Wachstumschancen.

Bei „manroland“ wurden zwei der drei Standorte verkauft - das Offenbacher Werk an den britischen Investor Tony Langley, das Werk in Augsburg an die Lübecker Possehl-Gruppe. Und für das dritte Werk im sächsischen Plauen ist der Insolvenzverwalter zuversichtlich, bald einen Käufer zu finden, so ein Sprecher. In Augsburg wurde knapp die Hälfte der Mitarbeiter entlassen. Aufgrund der effizienteren Struktur sieht sich das Unternehmen gut aufgestellt. „Wir sehen positive Impulse von der Drupa und gehen momentan von einem stagnierenden beziehungsweise leicht steigenden Marktvolumen aus“, sagte eine Sprecherin. „Der Knoten ist auf der Messe geplatzt“, sagte der Geschäftsführer von Manroland Sheetfed in Offenbach, Rafael Penuela, im Interview mit unserer Zeitung. „Wir haben so viele Aufträge bekommen, dass das Werk bis zum Ende des dritten, bis Anfang des vierten Quartals ausgelastet ist. Das ist eine sehr gute Nachricht.“

Ergebnisse der Drupa

Der Branchenexperte Gordon Schönell vom Bankhaus Lampe betrachtet die Ergebnisse der Drupa verhalten positiv: „Ich gehe davon aus, dass der Markt nicht noch weiter einbricht.“ Ein großes Probleme der Branche seien die sinkenden Zeitungsauflagen und die Verschiebung von Werbebudgets in elektronische Medien. Aber der technologische Fortschritt mache sich auch an anderer Stelle bemerkbar: „Die Maschinen werden immer effizienter, so kannibalisieren sie sich selbst.“ Wo man früher drei Maschinen brauchte, reichen jetzt zwei.

IG-Metall-Vorstandsmitglied Jürgen Kerner sieht ein weiteres Problem der Branche bei den Kunden. Vor allem kleine Druckereien hätten Probleme, günstige Finanzierungen für Maschinen zu finden, weil die Banken das Geschäft als risikoreich betrachten. Das ehemalige Aufsichtsratsmitglied von „manroland“ sieht deshalb die Regierung in der Pflicht: „Der Wirtschaftsminister sollte alle an einen Tisch holen, um zu überlegen, wie können wir die Branche in Deutschland so aufstellen, dass sie zukunftsfähig ist.“ Druckereien könnten bei der Neuanschaffung unterstützt werden.

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