Einzelhandel wartet weiter auf Umsatzschub

Wiesbaden/Berlin - Der deutsche Einzelhandel hat im September auf Jahressicht mehr umgesetzt, gegenüber dem Vormonat sind die Erlöse aber überraschend gesunken.

Wie das Statistische Bundesamt am Freitag vorläufig mitteilte, legten die Umsätze gegenüber dem Vorjahr preisbereinigt um 0,4 Prozent zu. Im Vergleich zum August fielen die Umsätze dagegen um 2,3 Prozent. Volkswirte hatten dagegen im Mittel einen Zuwachs um 0,4 Prozent prognostiziert. Im August waren die Umsätze auf Monatssicht um 0,4 Prozent zurückgegangen.

Nach Angaben der Statistiker setzte die Branche in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres 1,1 Prozent mehr um als im Vorjahreszeitraum. Als “keineswegs dramatische Entwicklung“ beurteilte die Sprecherin des Branchenverbandes HDE, Ulrike Hörchens, die Zahlen. Derartige Monatsschwankungen kämen häufiger vor, sagte Hörchens.

Der HDE betrachte wegen der besseren statistischen Vergleichbarkeit die Vorjahreswerte und danach liege der klassische Einzelhandel im positiven Bereich. Unterschiede zu den Zahlen des Statistischen Bundesamts ergäben sich aus der etwas anderen Abgrenzung, die der HDE vornehme. Der Verband betrachte nur den klassischen Einzelhandel.

Handel hält an Prognose fest

In den ersten neun Monaten des Jahres ergebe sich im klassischen Einzelhandel ein deutliches Umsatzplus von nominal 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der positive Trend setze sich somit fort und liege weiter auf der Prognoselinie des HDE. “Wir sind sehr optimistisch, dass die HDE-Prognose eines nominalen Umsatzanstieges um 1,5 Prozent im klassischen Einzelhandel im laufenden Jahr erfüllt wird“, sagte die Sprecherin. Noch bleibe abzuwarten, ob diese Prognose möglicherweise mit Blick auf die guten Daten vom Arbeitsmarkt und auf das bevorstehende Weihnachtsgeschäft sogar übertroffen werde.

Die Volkswirte der BayernLB bewerteten die Umsatzzahlen als “unerwartet schwach“. Die Zweifel an einem selbsttragenden Aufschwung in Deutschland dürften damit wieder lauter werden, erklärten sie. Die Konsumschwäche in Deutschland sei noch immer nicht überwunden. Die Verbraucher- und Konsumklimaumfragen sowie die Entwicklung des Arbeitsmarkts sprächen aber weiterhin für eine Verbesserung im nächsten Jahr. Der private Konsum werde 2011 einen positiven Beitrag zum Wachstum leisten. Die Postbank bestärkt indes die Hoffnungen der Einzelhändler und erwartet ein sehr gutes Weihnachtsgeschäft.

“Alle Signale dafür stehen auf grün“, sagte Chefvolkswirt Marco Bargel. Seit dem Frühjahr werde beim privaten Verbrauch eine deutliche Steigerung beobachtet. Im Durchschnitt der Monate Juni bis August hätten die realen Umsätze das Vorjahresniveau um 2,8 Prozent übertroffen. Der Nürnberger Marktforscher GfK hatte in seiner am Dienstag veröffentlichten aktuellen Konsumklimastudie festgestellt, dass die Stimmung der Verbraucher nach ihrem Steigflug der vergangenen vier Monate im Oktober auf der Stelle getreten sei.

Zwar rechneten angesichts der nach wie vor guten Zahlen vom Arbeitsmarkt erneut mehr Menschen als im Vormonat mit einer weiteren Verbesserung der Wirtschaftsentwicklung. Allerdings erwarteten gleichzeitig weniger, künftig mehr Geld zur Verfügung zu haben. Auch die Kauflaune habe sich wieder eingetrübt.

dapd

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