Erholung in Rekordtempo

Offenbach (al) - So schnell wie noch nie hat sich die Wirtschaft in Stadt und Kreis Offenbach von der Krise erholt. Dies ist das Ergebnis der Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach bei rund 400 Firmen aus Stadt und Kreis zu Jahresbeginn, wie die IHK gestern mitteilte.

Der von der IHK berechnete Index für das Konjunkturklima sei gegenüber dem Herbst 2010 nochmals um fast zwölf Punkte gestiegen und übertreffe mit mehr als 134 von 200 möglichen Punkten sogar knapp den Höchststand vom Frühsommer 2007. Bernhard Mohr, stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer: „Während die Wirtschaft nach dem Platzen der Internet-Blase fünf Jahre brauchte, um diesen Höchststand zu erreichen, schaffte sie dies nach dem Tiefpunkt in der Finanzkrise im Januar 2009 innerhalb von gerade zwei Jahren.“

Die aktuelle Geschäftslage in den Firmen der Region Offenbach ist den Angaben zufolge so gut wie schon lange nicht mehr. „Nicht einmal jedes zehnte Unternehmen klagt über seine Firmenkonjunktur. Fast 44 Prozent geben den derzeitigen Geschäften sogar die Note ,gut‘. Dies zieht sich mit geringen Unterschieden durch fast alle Bereiche der Wirtschaft“, so Mohr. Nur im Gastgewerbe gebe es eine höhere Anzahl von Klagen.

Auch die Aussagen über die wirtschaftliche Zukunft ließen keinen Raum für Pessimismus. Knapp 47 Prozent der Firmen erwarten laut IHK-Umfrage gleich gute und 44 Prozent bessere Geschäfte im neuen Jahr. Auch hier gebe es nur geringe Unterschiede in den einzelnen Branchen. Ein kleiner Ausreißer sei das Verkehrsgewerbe.

Die Investitionsneigung steigt laut IHK weiter. „Mehr als jedes dritte Unternehmen plant, die Ausgaben zu erhöhen. Noch höher ist diese Anzahl in der Industrie. Auf der anderen Seite gibt es hier aber auch eine nennenswerte Zahl an Firmen, die ihre Ausgaben reduzieren wollen. Dies scheint an spezifischen Firmen- und Branchenkonjunkturen zu liegen“, erklärte Mohr. Neben der Investitionsneigung gilt der Export als Konjunkturlokomotive.

Aufschwung auch am regionalen Arbeitsmarkt

„Und alle Zeichen weisen darauf hin, dass er diese Funktion in verstärktem Maß erfüllen wird. Gegenüber dem Herbst vergangenen Jahres werden die Auslandsgeschäfte nochmals deutlich zunehmen“, ist sich der Volkswirt sicher. Fast jedes dritte Unternehmen rechne mit steigenden Ausfuhren. Nur knapp acht Prozent befürchteten Rückgänge. Noch besser sei diese Quote in der Investitions- und Konsumgüterindustrie.

Der Aufschwung zeige sich auch am regionalen Arbeitsmarkt. Die Nachfrage nach Arbeitskräften sei so hoch wie schon lange nicht mehr. Fast 26 Prozent der Firmen suchen der Befragung zufolge zusätzliche Mitarbeiter. Mohr: „Dies bedeutet eine Zunahme gegenüber dem Herbst 2010 um fast neun Prozentpunkte“. Beschäftigung abbauen wollen demnach nur etwas mehr als sechs Prozent. Nur in der Konsumgüterindustrie müsse mit einem Beschäftigungsabbau gerechnet werden. Besonders hoch sei die Nachfrage nach neuen Arbeitskräften in der Investitionsgüterindustrie, im Gastgewerbe und bei den unternehmensbezogenen Dienstleistungen. Der Großhandel werde seine Beschäftigung weitgehend konstant halten.

Der Klimaindex für die Konjunktur liege in der Industrie immer noch unter dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. „Aber auch hier hat sich die wirtschaftliche Lage gegenüber dem Herbst 2010 nochmals deutlich verbessert. Getragen wird der Aufschwung besonders durch Auslandsgeschäfte und die verbesserte Investitionsneigung in der Wirtschaft“, erklärte Mohr. Weiterhin sehr zufrieden und optimistisch für die Zukunft sei auch das Baugewerbe. Die Firmen befürchteten nicht, dass nach einem Auslaufen der Konjunkturprogramme im Laufe dieses Jahres die Nachfrage zusammenbreche.

Wie Mohr weiter erläuterte, hat das Weihnachtsgeschäft im Einzelhandel wohl die Erwartungen erfüllt. Fast 60 Prozent der Firmen seien mit der Lage sehr zufrieden. Klagen gebe es überhaupt keine. Auch in die Zukunft sähen die Händler zuversichtlich. Ein Drittel erwarte weitere Verbesserung und fast 60 Prozent rechneten mit gleich guten Geschäften.

Absoluter Spitzenreiter bei dem Optimisten ist wieder das Kredit- und Versicherungsgewerbe. „Mit einem Klimaindex von mehr als 164 Punkten übertrifft es alle anderen Branchen“, so Mohr abschließend.

Rubriklistenbild: © dpa

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