Kommentar: Mit Ernst bei der Sache

Frankfurt - „Zukunft serienmäßig“ hat der Verband der Deutschen Automobilindustrie als Losung für die 64. Internationale Automobil-Ausstellung in Frankfurt ausgegeben. Von Carsten Müller

Und in gewisser Hinsicht hält die zunächst für Fachbesucher, ab Samstag für das interessierte Publikum geöffnete Autoschau ein, was das plakative Motto verspricht.

„Vision“ und „Nachhaltigkeit“

Denn die Auseinandersetzung mit Alternativen zum knapper werdenden und klimaschädlichen Energieträger Öl hat in den Messehallen an Ernsthaftigkeit gewonnen. Früher waren alternative Antriebe allenfalls ökologischer Zierrat und Marketinginstrument, jetzt sind technische Lösungen näher an die Serienfertigung gerückt. Das dürfte vor allem jene besänftigen, für die von Automanagern inflationär strapazierte Begriffe wie „Vision“ und „Nachhaltigkeit“ auf dem persönlichen Index stehen.

Das PS-Geschäft wird darüber freilich nicht vernachlässigt, wie sich beim Rundgang über die IAA zeigt, die sportliche Modelle, aber auch luxuriöse Automobile ins Scheinwerferlicht rückt. Schließlich wollen aufstrebende Gesellschaften in Asien ebenso mobil sein und Spaß am Auto fahren haben wie wir in Europa seit vielen Jahrzehnten. Daran werden vor allem deutsche Hersteller ihren Anteil haben - und damit auch Arbeitsplätze sichern.

Süße Zukunftsmusik

Nach Berechnungen der Unternehmensberatung McKinsey müssten die CO2-Emission en bis zum Jahr 2050 weltweit um 95 Prozent gesenkt werden, um einen Anstieg der globalen Erwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Das ist mit konventionellen Antrieben schlichtweg utopisch. Der Abschied vom Öl könnte daher zur Schicksalsfrage für eine Industrie werden, die über ein Jahrhundert wie selbstverständlich mit dem fossilen Brennstoff verbunden war.

Nicht von ungefähr fordert Daimler-Chef Dieter Zetsche eine „grüne Gründerzeit“ und den Einstieg in die Wasserstoffwirtschaft, von der Zukunftsforscher Jeremy Rifkin prophezeit, sie werde einen neuen Aufschwung auslösen.

Das ist fürwahr süße Zukunftsmusik. Die Gegenwart hingegen ist viel weniger spektakulär, dafür umso härter. Da entscheidet letztlich der Geldbeutel über das Umweltbewusstsein. Und bis neue Technologien preislich konkurrenzfähig sind, ist es noch ein weiter Weg.

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