Experten: Stromnetze müssen rasch ausgebaut werden

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Berlin - Angesichts der massiven Zunahme erneuerbarer Energien werden fehlende Stromleitungen in Deutschland und dem übrigen Europa zunehmend zum Problem. Vor einem drohenden Engpass warnt ein Expertengremium.

Die Netze müssten massiv ausgebaut werden, um die EU-Ziele bei den Öko-Energien zu erreichen, teilte die Deutsche Energie-Agentur (dena) am Mittwoch in Berlin mit. So sei beispielsweise in Italien bis 2050 ein Ausbau der Stromnetze um bis zu 170 Prozent im Vergleich zu heute notwendig, um den Stromtransport von künftigen Standorten erneuerbarer Stromerzeugung im Süden in die Nachfragezentren im Norden zu gewährleisten. Dies ist ein Zwischenergebnis der regionalen Studien des EU- Projekts “Susplan“.

Alle Ergebnisse werden auf einer internationalen Konferenz am 7. Dezember in Berlin vorgestellt. Das Projekt untersucht die Energiesysteme in neun europäischen Regionen und entwickelt Szenarien zur Netzintegration von Öko-Energien. Für Deutschland werden bis Ende des Jahres konkrete Zahlen im Rahmen einer neuen Netzstudie erwartet.

Zuletzt hatte auch KanzlerinAngela Merkel (CDU) ihre Besorgnis über den schleppenden Netzausbau geäußert. Nach früheren Angaben bräuchte Deutschland bis 2015 rund 850 Kilometer neue Leitungen - gebaut sind aber bisher nur 80 bis 90 Kilometer. Allerdings wird mittlerweile erwartet, dass weit mehr Leitungen notwendig sind.

Als Basis für die 850 Kilometer neuer Netze war mit 20 Prozent Ökostrom bis 2020 gerechnet worden, mittlerweile geht die Regierung von knapp 40 Prozent aus.

Leitungsnetze wurden früher nach dem Bedarf ausgelegt, durch die erneuerbaren Energien entstehen nun aber in dünn besiedelten Gegenden immer mehr Stromerzeugungsanlagen. So etabliert sich etwa mit der Offshore-Windenergie ein Produktionszentrum in der Nordsee.

Atombefürworter betonen, dass das Netz ohne Atomstrom den Schwankungen bei der immer höheren Ökostrom-Einspeisung nicht standhalten und es zu Blackouts kommen könnte. Von der Gegenseite wird kritisiert, dass längere Atomlaufzeiten dazu verleiten könnten, nicht ausreichend in den Netzausbau zu investieren.

dpa

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