DeinBus.de trotz Konkurrenz optimistisch

Neuer Primus am Markt der Fernbusse

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Der Fernbusmarkt in Deutschland steht vor einer großen Fusion.

Offenbach/Berlin - Bei den Fernbus-Anbietern entsteht ein neuer Gigant. Die Offenbacher Pioniere von DeinBus. de sehen aber weiter ihre Chancen auf dem bereinigten Markt. Von Achim Lederle

Für Christian Janisch war es ein „Paukenschlag“: Der gestern verkündete Zusammenschluss der beiden größten deutschen Fernbusanbieter, MeinFernbus und FlixBus, ist für der Co-Gründer des Offenbacher Fernbus-Pioniers DeinBus.de Zeichen für einen sehr beweglichen Markt. „Jetzt ist ein neuer Quasi-Monopolist entstanden. Wir sehen als kleines, agiles Unternehmen aber weiter unsere Chancen am Markt“, sagte Janisch gestern unserer Zeitung.

Helfen soll dabei ein neuer Investor, der kurz vor Weihnachten die Übernahme von DeinBus.de verkündete, nachdem das Unternehmen am 3. November wegen Zahlungsschwierigkeiten Insolvenz beantragt hatte (wir berichteten). Alle 25 Arbeitsplätze in Offenbach sollen erhalten werden, bekräftigte Janisch gestern. Er soll DeinBus.de zusammen mit Alexander Kuhr auch unter dem neuen Investor weiter leiten.

Pläne für 2015

„Wir sehen optimistisch ins neue Jahr“, sagte Janisch. Noch im Januar wolle DeinBus.de seine Pläne für 2015 verkünden. Klar sei bereits, dass „der Fernbusmarkt sehr aufregend bleibt“, so Janisch. DeinBus.de wurde 2009 von drei Studenten gegründet und sorgte 2010 mit einer Klage der Deutschen Bahn für Aufsehen, die das Fernbus-Angebot verbieten wollte. Die Bahn scheiterte mit der Klage, und 2013 wurde schließlich das Personenbeföderungsgesetz liberalisiert und damit Fernbusfahrten in Deutschland erlaubt.

„Unser Problem war nicht die Nachfrage, sondern dass uns nach fünf Jahren Pionierarbeit die Luft ausgegangen ist“, warf Janisch einen Blick zurück. „Der erste am Markt braucht viel Proviant und Mut, die wir jetzt mit neuem Investor wieder haben.“

Bei der Konkurrenz sollen nun die blauen FlixBus-Fahrzeuge auf Grün, der Farbe des Marktführers MeinFernbus, umlackiert werden. Die Start-up-Unternehmen aus Berlin und München haben dabei vor allem den europäischen Markt im Visier und wollen mehr Fahrten in die Nachbarländer anbieten. Dazu sagte Janisch: „Die Möglichkeiten des deutschen Marktes sind noch längst nicht ausgeschöpft.“ Auch DeinBus.de biete bereits heute Fahrten nach Prag, Maastricht oder Straßburg an. Die Europa-Verbindungen sollen nach Angaben von Janisch auch in Zukunft bedient und noch weiter ausgebaut werden.

Grenzen des Wachstums gezeigt

In Deutschland zeigen sich derweil nach einem zweijährigen Boom die Grenzen des Wachstums. Die Zeit sinkender Preise könnte für die Kunden vorbei sein. MeinFernbus verspricht denn auch laut Nachrichtenagentur dpa nicht, dass die Fahrkarten noch billiger werden. „Genauso günstig wie bisher“, heiße die Parole des Unternehmens. Verbraucherschützer rechneten mit steigenden Tarifen.

Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer hatte laut dpa schon vor Monaten deutlich gemacht, dass es die ganz günstigen Angebote langfristig nicht mehr geben werde. Der Branchenverband habe nun lediglich betont: „Der Fernbus wird dauerhaft günstigere Preise haben als alle Wettbewerber auf der Schiene, der Straße und in der Luft.“

Insgesamt waren im vergangenen Jahr knapp elf Millionen Menschen mit FlixBus und MeinFernbus unterwegs. Damit deckt das neue Unternehmen etwa die Hälfte des auf bis zu 20 Millionen Passagiere geschätzten Marktes ab. „Der Zusammenschluss ist nicht nur eine Wunschehe, sondern auch ein Zeichen der Verunsicherung des Marktes“, kommentierte Christian Janisch. Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Iges gibt es derzeit 28 Fernbus-Betreiber; sie bieten 249 Linien an und rund 7 100 wöchentliche Fahrten.

Seit der Marktöffnung für Fernbusse sind die Preise nach Angaben von Iges um 14 Prozent gefallen: Mussten die Kunden zunächst im Schnitt zehn Cent pro Kilometer zahlen, waren es Anfang Dezember 2014 nur noch 8,6 Cent. Dies könnte sich jetzt bald ändern: Mit einem neuen Monopolisten auf einem bereingten Markt.

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