Frecher Schwindel mit Testnoten / 100 Abmahnungen

Firmen tricksen mit dem Warentest-Logo

Offenbach (psh) ‐ Dreister Missbrauch des Test-Siegels der Stiftung Warentest: Der Verband der Verbraucherzentralen (vzbv) verschickt jedes Jahr im Auftrag der Warentester 100 Abmahnungen wegen unlauterer Werbung mit den Testnoten.

So wird getrickst: Nach Angaben von Heike van Laak, Sprecherin der Stiftung Warentest, übertragen Firmen die Note für ein einzelnes Produkt auf eine Serie - ohne dass diese komplett getestet wurde. Andere werben mit Testnoten für Produkte, die nie von der Stiftung geprüft wurden. Ein weiteres Beispiel: Ein Produkt ist irgendwann gut getestet worden und trägt jetzt noch immer das alte Test-Siegel, obwohl ein aktueller Test schlechter ausgefallen ist oder - etwa bei Lebensmitteln - mittlerweile die Rezeptur verändert worden ist. Van Laak: „Bei einem großen Discounter wurde einmal ein Olivenöl sehr gut getestet. Plötzlich gab es eine riesige Nachfrage. Die nachgelieferten Olivenöle waren aber längst nicht mehr so gut.“

Von den Verbraucherschützern werden die Unternehmen zu Unterlassungserklärungen aufgefordert, im Extremfall geht’s vor Gericht. Hohe Strafen haben die Betroffenen offenbar nicht zu erwarten. Zwar besteht theoretisch die Möglichkeit der Abschöpfung von Unrechtsgewinnen, die mit falscher Testwerbung erzielt wurden. Verbraucherschützer Michael Fronczak: „Praktisch erweist sich dies als schwieriges Unterfangen, da wir den Unternehmen vorsätzliches Handeln nachweisen müssen; so bleibt die Sanktion meist aus, und diejenigen, die mit Erfundenem oder Halbwahrheiten werben, kommen glimpflich davon.“ Dabei sind die guten Noten für Firmen höchst lukrativ - um bis zu 30 Prozent steigern sie den Marktwert eines Produkts.

Van Laak empfiehlt Verbrauchern: „Sie sollten sich das Testdatum auf dem Gütesiegel genau anschauen und im Zweifelsfall mit der Stiftung Warentest oder den Verbraucherzentralen Kontakt aufnehmen.“

Dass die Abzocke von Verbrauchern immer dreister wird, zeigt auch eine Untersuchung der Verbraucherzentrale Hamburg. Demnach tricksen Hersteller Kunden bei Preiserhöhungen aus.

Hintergrund Seite 2

Kommentare