Der Game Boy

Großvater der Smartphones wird 25

Offenbach/Stuttgart - Der Game Boy – Nintendos Erfolgsprodukt der 90er – ebnete tragbaren Spielekonsolen und Mobiltelefonen den Weg. Von Ronny Paul

Das virtuelle Puzzlespiel „Tetris“ ist eines der bekanntesten und beliebtesten Computerspiele aller Zeiten. Es ist auf so ziemlich jedem Spielesystem zu haben – doch mit keinem wird das Geschicklichkeitsspiel so unzertrennlich in einem Atemzug genannt wie mit Nintendos tragbarer Spielekonsole, dem Game Boy.

Er war damals sechs und erinnert sich an geheime Spiele im Bett. „Diese Zeit, in der die größte Sorge darin bestand, nachts nicht von der Mutter mit dem Game Boy unter der Decke erwischt zu werden...“, schreibt der Twitterer mit dem Nutzernamen „Christhulu“ im Kurznachrichten-Kanal. Der Game Boy war der Grundstein für das Spielen unterwegs und mit ihm schwappte in den folgenden Jahren eine große Spielewelle über die Kontinente - das große mobile Rumdaddeln hatte begonnen. Der 27-Jährige Hobby-Blogger erinnert sich an sein erstes Gerät, 1992. Als Sechsjähriger spielte „Christhulu“ die Nächte heimlich mit einer aufsteckbaren Bildschirmlupe durch - mit Abenteuerspielen wie „Wario Land“ oder „Donkey Kong Country“. Tagsüber war er auf dem Spielplatz.

Als der japanische Spielekonzern Nintendo 1989 den Game Boy mit dem Spiel „Tetris“ auf den Markt brachte, ahnte wahrscheinlich keiner, welchen bahnbrechenden Erfolg diese tragbare 8-Bit-Videospielkonsole erreichen würde: Mit mehr als 118 Millionen Exemplaren zählt der Game Boy zu den weltweit meistverkauften Konsolen der Geschichte. Lange Zeit war er sogar die erfolgreichste tragbare Konsole, wurde jedoch von seinem „Enkel“, dem „Nintendo DS“, mit rund 154 Millionen abgesetzten Geräten, vom Thron gestoßen. Die „Generation Game Boy“ ist erwachsen geworden und nutzt heute zum Spielen unterwegs das Smartphone: Das beweist die Spiele-App „Quizduell“, die bis jetzt mehr als fünf Millionen Menschen heruntergeladen haben.

Der Game Boy sei in dieser Entwicklung der Beginn hin zur mobilen Nutzung gewesen, sagt Peter Vorderer, Professor für Medien- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Mannheim, gegenüber der Deutschen Presse Agentur (dpa). Die Entwicklung erreichte mit der Vorstellung von Apples iPhone 2007 einen neuen Höhepunkt: Was das auslösen würde, konnte damals aber keiner ahnen, sagt Buchautor und Journalist Christoph Koch, der selbst nie einen Game Boy hatte. „Das Smartphone ist viel mehr als ein Telefon. Es ist auch Taschenrechner, Büro, Messenger - und eben Spielzeug.“

Sogenannte Casual Games wie „Candy Crush Saga“, „Plants vs. Zombies“ oder „Angry Birds“, die man darauf spielen kann, sind enorm verbreitet und so beliebt wie zu Game Boys Zeiten etwa „Super Mario Land“, „Alleyway“, „Kid Icarus“ oder eben „Tetris“. „Alle sind am Zocken“, sagt der 39-jährige. Koch. „Unsere Smartphones sind Alleskönner und damit eben auch in gewissem Maße Spielekonsolen“, bestätigt „Christhulu“.

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Der Kommunikationswissenschaftler Vorderer beobachtet eine exzessive Nutzung des Smartphones. Es sei immer mit dabei, häufig wichtiger als der aktuelle Interaktionspartner, sagt er. Alle tippen ständig darauf herum: „Die Studenten in der Mensa haben in der einen Hand die Gabel und in der anderen das Smartphone.“

Es wird gespielt, E-Mails werden gecheckt oder mit Freunden geschrieben. Dieses Phänomen nennt Vorderer „permanently online, permanently connected“: Auf Nachrichtenportalen im Netz werden ständig die neuesten Schlagzeilen konsumiert oder überprüft, ob jemand eine Nachricht geschickt hat. In der exzessiven Nutzung des Smartphones sieht der Experte aber auch eine Gefahr: „Bestimmte Situationen – auch zwischenmenschliche – können einfach nicht mehr so umfassend erlebt werden.“

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Das Spielen selbst findet Autor Koch gar nicht so schlimm: Das Daddeln sei heute „nicht mehr nur was für pubertierende Jungs“. Eine per se fehlende Kommunikation im zwischenmenschlichen Bereich? Das sehe manchmal auch einfach nur so aus. Vor ein paar Jahren hätte man zum Beispiel ein Spielebrett vor sich gehabt und „Trivial Pursuit“ gespielt. Heute spielt die Generation Game Boy zwischendurch eben auch mal „Quizduell“ - mit dem Smartphone.

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