Glühbirnenverbot - Das müssen Sie wissen!

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Abschied: Ab 1. September dürfen klare und matte Glühbirnen ab 100 Watt nicht mehr verkauft werden.

München -  In vielen Märkten sind Glühbirnen mit 100 Watt und mehr ausverkauft. Denn ab Dienstag tritt die EU - Vorschrift zum Glühbirnenverbot in Kraft. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Die EU verbietet die lieb gewonnene, klassische Glühbirne mit dem herrlich warmen Licht. Der erste Teil der Vorschrift tritt am kommenden Dienstag in Kraft. Dann dürfen (außer Restbeständen) matte Birnen und solche mit 100 und mehr Watt nicht mehr verkauft werden. Die Verbraucher müssen auf Energiespar-, Halogenoder LED-Lampen umsteigen. Doch es gibt Bedenken. So sollen Energiesparlampen gesundheitsschädlich sein und Farben falsch wiedergeben.

Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten dazu:

Der Schlafforscher Dieter Kunz von der Berliner Charitè warnt vor Gesundheitsstörungen, weil der Blauanteil am Licht der Energiesparlampen das Schlafhormon „Melatonin“ unterdrücke und als Wachmacher wirke. Ist die Warnung berechtigt?
Experte Michael Koswig von der Stiftung Warentest: „Der Blaulichtanteil des Lichts hat in der Tat Einfluss auf das Wachsein. Im Schlafzimmer sollte man deshalb warmweiße Energiesparlampen nehmen, die sogar einen geringeren Blaulichtanteil als Glühbirnen haben.“

Osram hat jüngst eine Lampe mit einer extra warmen Lichtfarbe herausgebracht. Angeblich verfälscht das Licht der neuen Lampen die Farbe von grünen Lebensmitteln wie Spinat oder Salat. Stimmt das?
„Die Farbwiedergabe ist in der Tat problematisch. So können Rottöne ins Bräunliche wirken. Wer auf Farbtreue hohen Wert legt, sollte spezielle Deluxe-Lampen mit sehr guter Farbwiedergabe kaufen“, rät der Warentest-Fachmann.

Erzeugen Energiesparlampen starke elektrische Felder?

„Jein. Die elektromagnetischen Felder stammen von den integrierten Vorschaltgeräten“, erklärt Koswig. Er beruhigt aber: „Schon in 30 Zentimeter Abstand werden die Grenzwerte unterschritten. Das bestätigt auch das Bundesamt für Strahlenschutz.“ Wer ganz sicher gehen will, sollte deshalb die Lampen nicht unmittelbar in Kopf- oder Körpernähe installieren.

Kritiker behaupten, Energiesparlampen lösen Migräne oder epileptische Anfälle aus. Gibt es darüber Erkenntnisse?
Koswig: „Dafür gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg. Leuchtstoffröhren, die wie Energiesparlampen aufgebaut sind, werden seit Jahrzehnten millionenfach in Büros eingesetzt und haben bisher nicht zu solchen Erkrankungen geführt.“

Was wird genau verboten?

Ab 1. September 2009: Klare und matte Glühbirnen ab 100 Watt sowie alle matten Glühbirnen bis zu einer Untergrenze der Leuchtkraft von 60 Lumen (entspricht etwa 15 Watt) dürfen nicht mehr hergestellt und angeboten werden. Das betrifft auch matte Halogenlampen. Bereits bestehende Lagerbestände dürfen weiter verkauft werden. Es gibt jedoch Ausnahmen: „Für kleine Lampen bis 60 Lumen Leuchtstärke, also für Backöfen, Kühlschränke, Fahrräder etc. gibt es bisher keine Vorschrift zur Umstellung“, sagt Michael Koswig, Experte der Stiftung Warentest in Berlin
 1. September 2010: Ab dann werden alle klassischen Glühbirnen mit 75 Watt und mehr verboten.
1. September 2011: Jetzt geht es Lampen ab 60 Watt an den Kragen.
1. September 2012: Glühlampen mit 25 Watt und mehr landen auf dem Index. Ab 2013: Effizienzkriterien für Energiesparlampen werden weiter verschärft.
1. September 2016: Halogenlampen der Effizienzklasse C werden verboten.

Können Energiesparlampen sich sonst auf die Gesundheit auswirken? Gesundheitsschäden wegen Energiesparlampen sind bislang nicht wissenschaftlich belegt. Die EU-Kommission räumt allerdings ein, erkrankten Menschen mit einer besonderen Lichtempfindlichkeit könnte die ultraviolette Strahlung von Energiesparlampen Probleme bereiten. Unter anderem deshalb sollen Halogenleuchten erlaubt bleiben. Michael Koswig von der Stiftung Warentest hält dieses Risiko für gering, weil das Tageslicht eine wesentlich höhere UVBelastung verursacht, als jede Lampe. Der Mediziner Alexander Wunsch allerdings ist überzeugt: „Die Sparlampe ist gefährlich, weil sie zu einer fehlgesteuerten hormonellen Anpassung mit weitreichenden Folgen führen kann. Das Licht kann das Risiko für Brust- und Prostatakrebs erhöhen.“ Und der Münchner Augenarzt Bernhard Lachenmayr behauptet: „Personen mit fehlender Linse oder sehr alten intraokularen Kunstlinsen, die noch keinen UV-Schutz haben, können gefährdet sein. Nicht auszuschließen ist auch, dass durch Energiesparlampen vermehrt Fälle von altersbedingter Makulardegeneration auftreten.“ EU -Sprecher Carsten Litz sagte, es werde niemand gezwungen, eine fluoreszierende Energiesparlampe zu benutzen. Es gebe auch Halogen- bzw. LED-Lampen.

Verkürzt häufiges Einschalten die Lebensdauer der Energiesparlampe? Es gibt bei Energiesparlampen Billigprodukte ohne Vorheizung, die relativ rasch den Geist aufgeben. Experte Koswig: „Bei guten Produkten passiert das nicht. Wir haben Lampen getestet, die 210 000 Einschaltvorgänge aus hielten.“ Stimmt es, dass viele

Energiesparlampen nicht mit Dimmern funktionieren?
„Das ist richtig“, sagt der Experte der Stiftung Warentest. Ein Großteil der Lampen kann nicht mit Dimmern verwendet werden. Koswig: „Es werden aber spezielle dimmbare Energiesparlampen verkauft. Diese sind aber deutlich teurer. Sie können bis zu 30 Euro kosten.“

Energiesparlampen sollen nicht in geschlossenen Lampen verwendet werden, weil die Hitzeentwicklung die Lebensdauer stark verkürzt. Stimmt das?
Es gibt eine Reihe von Experten, die das behaupten. Koswig sieht das nicht so dramatisch: „Diese Lampen geben ohnehin relativ wenig Wärme ab.“ Eine andere Eigenschaft ist unangenehmer: In der Kälte brauchen manche Produkte deutlich länger, bis sie hell werden, wie Untersuchungen der Stiftung Warentest belegen.

Wer im Winter die Garagenlampe anmacht, der sollte eine spezielle, kälteresistente Leuchte wählen. Flimmern Energielampen?
„Nein“, sagt die Stiftung Warentest. Energiesparlampen arbeiten heutzutage mit Vorschaltgeräten bei Frequenzen von 30 000 – 50 000 Hertz. Allenfalls zum Ende der Lebensdauer flimmern manche Lampen.

Warum verbietet die EU Glühbirnen?
Laut EU-Kommission lassen sich so 15 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr einsparen. Ein Großteil des von Glühbirnen verbrauchten Stroms verpufft in Form von Wärme, nur fünf Prozent werden in Licht umgesetzt - bei Energiesparlampen sind es bis zu 25 Prozent. Laut EU-Kommission verbrauchen sie zwischen 65 und 80 Prozent weniger Strom als Glühbirnen.

Energiesparlampen sind teurer – eine Belastung für die Verbraucher? In der Anschaffung sind Energiesparlampen teurer, dafür senken sie die Stromkosten. Laut Stiftung Warentest gleicht dies die hohen Anschaffungskosten bereits nach einem Jahr aus.

Entspricht die Lichtqualität von Energiesparlampen der von Glühbirnen?
Nicht ganz. Selbst die Hersteller räumen laut einer Studie von Ökotest ein, dass das Licht von Energiesparlampen wegen ihrer Röhrenstruktur nicht so gleichmäßig streut wie das von Glühbirnen. Die Stiftung Warentest beklagt „Watt-Schummelei“: Nicht alle Produkte leisten, was sie versprechen. Im Zweifel sollte man eine höhere Wattzahl kaufen. Die Kennzeichnungsvorschriften werden jetzt aber verschärft.

Kann ich Glühbirnen von anderen Kontinenten mitbringen, etwa aus den USA ?
Verboten ist es nur, Glühbirnen in der EU auf den Markt zu bringen. Die Einfuhr für den persönlichen Gebrauch dürfte kein Problem sein, heißt es aus der EU -Kommission.

Die Licht - Alternative

Wer nicht genügend altbewährte Glühbirnen gehamstert hat, muss ab 1. September umsteigen. Hier die Alternativen: Die klassische Energiesparlampe ist seit Jahren auf dem Markt, kann jedoch nicht jedermann überzeugen. Halogenbirnen und LED-Birnen können aber möglicherweise eine Alternative sein.

Halogen- Sparlampen
Preis: 1,99 – 2,49 € Lebensdauer: ca. 2000 Stunden oder zwei Jahre* Technik: Halogen-Kern statt Glühfaden Energieeinsparung: 30 Prozent Energieersparnis gegenüber konventioneller Glühbirne, da die Lampen heller sind. Statt einer 60 Watt- wird nur eine 42-Watt-Lampe benötigt. Vorteile/Nachteile: Lampe leuchtet sofort, warmes Licht wie Glühbirne. Halogenlampen sind in der Regel dimmbar, keine Risiken bekannt.
* Basis: durchschnittliche tägliche Brenndauer 3-4 Stunden

Klassische Energiesparlampe
Preis: 3,99 - 4,99 € (bei sechs Jahren Lebensdauer) Lebensdauer: 3, 6, 10, 15, 20 Jahre Technik: Leuchtstoff-Röhrenprinzip Energieeinsparung: 80 Prozent Ersparnis
Vorteile/Nachteile: Licht wirkt kälter als bei der Glühbirne. Verschiedene Hersteller bieten inzwischen spezielle Warmlicht-Lampen an. Osram hat vor vier Wochen eine Lampe mit besonders warm wirkendem Licht auf den Markt gebracht. Lampen sind oft nicht dimmbar und beginnen teils mit Verzögerung zu leuchten. Lampen enthalten Quecksilber, sind Sondermüll.

LED-Sparlampen
Preis: derzeit noch 25-40 €**. Lebensdauer: rund 25 Jahre Technik: Lampe enthält Leuchtdioden. Technik der Zukunft. Energie: 90 Prozent Ersparnis Vorteile/Nachteile: Bisher nur bis 35 Watt erhältlich. 2009 will Osram 40- und 60-Watt-Lampen auf den Markt bringen.

 ** Die Preise dürften in absehbarer Zeit auf etwa zehn Euro sinken, außerdem sollten bald leistungsstärkere Lampen auf den Markt kommen.

Die Geschichte der Glühbirne

Brennt seit 1901

Die am längsten brennende Glühbirne der Geschichte hängt in einer Feuerwache in Livermore, Kalifornien. Sie wurde 1901 eingeschaltet und brennt seitdem fast ohne Unterbrechung. Es handelt sich um eine mundgeblasene Glühbirne mit Karbidwendel und vier Watt Leistung. Wer sie sehen will, hier der Link zur Webcam: http://www.centennialbulb. org/cam.htm

1809 erfand Humpry Davy die erste funktionstüchtige Bogenlampe.

1820 wurde eine Glühlampe mit Platinfaden namens „De la Rue Lampe“ vorgestellt. Glühbirnenverbot Die Geschichte der Glühbirne

1835 stellte in Dundee James Bowman Lindsay ein konstantes elektrisches Licht vor.

1841: Das erste bekannte Patent auf eine Glühlampe erhielt Frederick de Moleyns.

1845: Ebenfalls ein Patent auf eine Glühlampe erhielt der Amerikaner John Wellington Starr in London.

27. 1. 18 80: Thomas Alva Edison benutzte statt Platin einen Kohlefaden, um eine bessere Lichtausbeute zu erreichen. Er erhielt dafür das Basispatent Nummer 223898.

1893: In Patentprozessen gab der Deutsche Heinrich Göbel an, ab den frühen 1850er-Jahren mit Kohlefadenglühlampen experimentiert zu haben. Er konnte das nicht beweisen, galt dennoch im 20. Jahrhundert als Erfinder der Glühlampe.

KARL-HEINZ DIX

 

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