Gründer dürfen nicht an falschen Stellen sparen

Offenbach - Gründer werden nach den Worten von Andreas Lutz in Deutschland mit einem hohen bürokratischem Aufwand konfrontiert. Von Marc Kuhn

Sie sollten auf Informationsangebote und Netzwerke von Gleichgesinnten setzen, sagte der Existenzgründerberater unserer Zeitung, Andreas Lutz ist durch seine Website www.gruendungszuschuss.de sowie seine Ratgeber für Gründer und Selbstständige einer der bekanntesten Gründerberater Deutschlands.

Welche Probleme kommen am häufigsten auf Gründer zu?

Eines ist die Bürokratie. Gründer müssen angeblich im Schnitt 1 400 Auskünfte auf Anträgen, Meldeformularen und ähnlichem machen. Und natürlich sind sie auch zum Führen einer Buchhaltung, zur Abgabe von Umsatzsteuervoranmeldungen und so weiter verpflichtet.

An wen sollten sie sich mit ihren Fragen wenden?

Es gibt unzählige Informations- und Beratungsangebote für Gründer und Selbstständige, von Kammern, Banken, Initiativen und Messen. Häufig geht der Gründer beladen mit Broschüren nach Hause. Für die Gründer besteht die Herausforderung darin, aus der Masse der Informationen die für sie wirklich relevanten herauszufinden.

Welche Fördermöglichkeiten gibt es?

Bund und Länder bieten so viele Förderangebote, dass auch hier leicht der Überblick verloren gehen kann. Die mit Abstand wichtigste Förderung ist der Gründungszuschuss. Den Antrag kann jeder stellen, der vor der Gründung mindestens einen Tag arbeitslos ist und Anspruch auf Arbeitslosengeld I hat, auch wenn er zuvor selbst gekündigt hat.

Arbeitslosengeld II-Empfänger können anstelle des Gründungszuschusses Einstiegsgeld beantragen, das dann zusätzlich zum Arbeitslosengeld II ausbezahlt wird. Darüber hinaus gibt es weitere Hilfen.

Ist Coaching nötig und wie funktioniert es?

Ein guter Berater kann einen enormen Unterschied machen und den Erfolg der Gründung erheblich beschleunigen. Der Staat teilt diese Ansicht: Deshalb fördern Länder wie Hessen die Beratung vor der Gründung und der Bund das Coaching nach der Gründung mit bis zu 90 Prozent Förderanteil. Leider tummeln sich in diesem Bereich auch viele schwarze Schafe, denn die Berufsbezeichnung Gründungsberater ist nicht geschützt. Ich empfehle Unternehmensberater, die sich auf Gründer spezialisiert haben und selbst selbstständig sind.

Welchen Stellenwert hat der Businessplan und was muss er enthalten?

Der Businessplan ist Voraussetzung für Gründungszuschuss, Einstiegsgeld sowie jede Art von Finanzierung. Auch wenn Sie sich „nur“ als freier Mitarbeiter selbstständig machen und für zwei oder drei Auftraggeber arbeiten: Die Fragen, die im Rahmen des Businessplans gestellt werden, müssen auch Sie überzeugend beantworten können.

Der Businessplan setzt sich aus Text- und Zahlenteil sowie Anhang zusammen. Der Gründer beschreibt darin persönliche Eignung, Angebot und Preise, Zielgruppe, Markt und Wettbewerb, wie er sich von den Konkurrenten unterscheidet und wie er Kunden gewinnen wird.

Eine Darstellung der Abläufe, Organisation und Perspektiven rundet den Textteil ab. Im Zahlenteil prognostiziert der Gründer Umsätze und Kosten.

Hilft den Gründern Networking - das Schaffen von Verbindungen?

Networking ist für Selbstständige noch wichtiger als für Arbeitnehmer. Es geht dabei nicht nur darum, Kunden zu gewinnen. Am Anfang steht im Vordergrund, andere Gründer kennen zu lernen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen und sich gegenseitig zu bestärken und zu unterstützen.

Die Gründungsphase bietet viele Gelegenheiten zum Aufbau eines Netzwerks aus Selbstständigen: Bei Gründungsseminaren, im Rahmen einer Bürogemeinschaft, bei Netzwerk-Veranstaltungen und auf Internet-Plattformen wie XING.com.

Wie sollte der Gründer mit seinem Geld umgehen? Investieren oder sparen?

Ich rate immer dazu, eher sparsam vorzugehen und „den Ball flach zu halten“. Sparen Sie aber nicht an der falschen Stelle. Beauftragen Sie einen Grafiker und lassen Sie sich ein professionelles Logo erstellen. Wenn Sie nicht selbst Grafiker sind, werden Ihre Kunden selbst erstellte Logos immer als unprofessionell wahrnehmen und daraus Rückschlüsse ziehen. Suchen Sie sich einen Platz in einer Bürogemeinschaft. Ein eigenes Büro ist meist zu teuer und mit langfristigen Verpflichtungen verbunden. Gönnen Sie sich einen Coach als Sparringspartner, um regelmäßig über Ihre Erfolge, Herausforderungen und weiteren Pläne reflektieren zu können.

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