Hartz IV in Hessen erfolgreich

Frankfurt/Offenbach (dpa/ku) - Hartz IV hat in Hessen gewirkt. Da ist sich der Chef der Regionaldirektion der Bundesagentur für Hessen, Frank Martin, sicher. Es gibt weniger Hilfeempfänger, es fließen weniger passive Hilfen und die Förderungen kommen genauer bei den Arbeitslosen an, die sie benötigen.

Für all das hat Martin gestern Zahlen präsentiert. Damit hat er aber die hessische Hartz-Realität dennoch nur zur Hälfte abgebildet. Das liegt an der in Hessen besonders starken Rivalität der Hilfesysteme. Gegen bundespolitischen Widerstand setzte Roland Koch (CDU) durch, dass sich seit 2005 sogenannte Optionskommunen allein um ihre Langzeitarbeitslosen kümmern dürfen, statt mit den örtlichen Arbeitsagenturen gemeinsame Jobcenter zu bilden. Und wer die beiden Systeme vergleichen will, erhält weder verlässliche Zahlen noch konkrete Antworten.

Selbst die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände, die für die kommunale Verantwortlichkeit eintritt, beklagt die Undurchsichtigkeit der Aktivitäten. Nach sechs Jahren sollten die Kommunen endlich die Zahlen zu Hartz IV auf den Tisch zu legen, verlangt VhU-Geschäftsführer Volker Fasbender.

Landesweit gingen die Arbeitslosenzahlen zurück

Das zuständige Sozialministerium will sich nicht festlegen. Beide Modelle leisteten hervorragende Arbeit, die gemeinschaftlichen Jobcenter seien nicht in Frage gestellt, sagt Sprecherin Susanne Andriessens.

Agenturchef Martin will und darf nicht sagen, dass er seine Leute eigentlich besser findet. Landesweit ging die Zahl der arbeitslosen Hartzer seit 2006 - dem ersten Jahr mit kompletter Statistik - um mehr als ein Viertel (-25,7 Prozent) auf 133.202 im Jahr 2010 zurück. Die gemeinschaftlichen Jobcenter waren mit minus 29,1 Prozent etwas besser. Das bedeutet, dass in den 13 Optionskommunen der Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit etwas langsamer voranging.

„Offenbach hat sich in der Krise gut geschlagen“

Eine positive Bilanz zogen die Einrichtungen in Stadt und Kreis Offenbach. Der Geschäftsführer der Mainarbeit, einer Einrichtung der Stadt und der Agentur für Arbeit Offenbach, Matthias Schulze-Böing, sagte unserer Zeitung: „Offenbach hat sich in der Krise gut geschlagen. Die Mainarbeit hat die Chancen für ihre Kunden optimal genutzt.“ Im vergangenen Jahr seien knapp 3000 Hartz-IV-Bezieher in Arbeit vermittelt worden. Der Sozialdezernent des Kreises, Carsten Müller, erklärte: „Wir konnten noch einmal die Vermittlungszahlen gegenüber dem Vorjahr steigern.“ 2010 seien mehr als 5000 Menschen in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt worden. „Gegenüber 2006 konnten wir die Zahl der Vermittlungen in den ersten Arbeitsmarkt quasi verdoppeln. Insgesamt konnten wir seit Beginn der Option in sechs Jahren bis heute rund 20.000 Menschen vermitteln.“ Müller sagte: „Diese Zahlen zeigen: Die Option im Kreis Offenbach ist eine Erfolgsgeschichte.“

Zu den Arbeitslosen in ganz Hessen kommt noch eine Vielzahl von Menschen, die zum Beispiel mit ihnen in den Bedarfsgemeinschaften leben, wegen ihrer kleinen Kinder nicht arbeiten können oder ihr geringes Gehalt aufstocken lassen müssen. Frank geht daher von mehr als 400.000 Menschen in Hartz IV in Hessen aus.

Sicher ist, dass für die Aufgaben künftig deutlich weniger Geld zur Verfügung stehen wird: Martin rechnet für seinen Bereich mit 195 Millionen Euro Eingliederungsbudget statt knapp 219 Millionen im Jahr 2010. Für den Direktionschef ist klar, dass nicht an den Qualifikationen gespart werden darf, die Menschen wieder fit machen für den ersten Arbeitsmarkt. Das Geld wird also im wesentlichen bei Projekten im zweiten Arbeitsmarkt gestrichen. Ein-Euro-Jobs werden in Hessen daher noch rarer als bislang.

Rubriklistenbild: © dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare