„Investoren sollten nicht nur auf deutsche Anlagen setzen“

Heimatliebe kann zu einer Gefahr werden

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Dreieich/Neu-Isenburg - Natürlich sind die Deutschen als Fußballweltmeister stolz auf ihr Land. Auf dem Börsenparkett führt die Heimatliebe aber nicht nur deutsche Anleger schnell auf das Glatteis. Dabei sind deutsche Anleger doch eher sicherheitsorientiert.

Also warum handeln sie sich sogenannte Klumpenrisiken ein, wenn sie Unternehmen vor der eigenen Haustüre kaufen? Heimatliebe bezeichnet die Tatsache, dass Anleger besonders stark in inländische Aktien und Anleihen investieren. Hintergrund ist, dass Investoren sich dabei kompetenter fühlen, diese Unternehmen zu beurteilen. „Ein teurer Trugschluss, denn Investoren verschenken Rendite und geben durch dieses Investitionsverhalten Sicherheit auf“, erklärt Guido vom Schemm, Geschäftsführer der GVS Financial Solutions aus Dreieich. „Dabei ist die finanzielle Bildung oder die Höhe des Anlegervermögens für das Verhalten irrelevant. In diese psychologische Falle tappen fast alle. “ Deutschland trägt drei Prozent zum Weltbruttoinlandsprodukt bei. Auswertungen der Discountbroker Cortal Consors und DAB Bank zeigen, dass deutsche Aktien jedoch zwei Drittel eines Depots ausmachen. „Eine sehr spekulative Wette also“, meint vom Schemm. „Natürlich gibt es in Deutschland gut geführte Unternehmen. “ Im Maschinenbau und in der Automobilbranche beispielsweise führe kein Weg an deutscher Ingenieurskunst vorbei. „Schaut man in die aktuelle Liste der wertvollsten Unternehmen weltweit, findet man die erste deutsche Firma, nämlich VW, auf Platz 54. Lediglich 21 deutsche Firmen packten es in die Liste der Top-500-Unternehmen“, erläutert Frank Haser vom gleichnamigen Vermögensverwalter mit Sitz in Neu-Isenburg.

Die beiden Vermögensverwalter begeistern sich durchaus für deutsche Qualitätsunternehmen, aber sie sollten maßvoll im Depot vertreten sein. „Besonders Deutsche trifft die tückische Heimatliebe im Vergleich zu Amerikanern doppelt hart. Die Komposition des deutschen Leitindex Dax 30 ist stark durch konjunkturabhängige Titel geprägt“, berichtet vom Schemm. „Der US-Leitindex S&P 500 ist viel breiter und viel defensiver in seiner Zusammensetzung. Unsere Analysen haben ergeben, dass der Dax 30 im Vergleich zum S&P 500 in den vergangenen fünf Jahren durchschnittlich um 33 Prozent stärker schwankte.“ Risikobegrenzung sehe anders aus.

„Dabei greifen die Deutschen besonders in unsicheren Zeiten zu heimischen Unternehmen wie BMW anstatt Tata Motors“, berichtet Haser. Natürlich böten Dax-Unternehmen aber auch Vorteile. Erstens würden keine direkten Währungsschwankungen beim Aktienkauf existieren. Die Unternehmen wie Lufthansa würden das Währungsmanagement selbst übernehmen. Außerdem seien deutsche Aktien erste Wahl nach einer weltweiten Rezession. „Aufgrund der hohen Exportlastigkeit können Dax-Titel wie ein Renditeturbo wirken. Dann haben Anleger sprichwörtlichen Heimvorteil“, erklärt vom Schemm. Im nächsten Artikel wird beleuchtet, was den Herdentrieb, Börsianer und Verluste verbinden.

ku

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