Heizkosten weiter auf dem Höhenflug

Offenbach - Verbraucher mit Ölheizungen müssen sich bei den Abrechnungen für 2011 warm anziehen, während Mieter mit Gasheizung günstiger davonkommen. Um mindestens 25 Prozent sind die Ölpreise im vergangenen Jahr gestiegen, was die Abrechnungen in die Höhe treiben dürfte. Von Achim Lederle

Die Verbraucherschützer empfehlen in jedem Fall, die Abrechnungen genau prüfen zu lassen. In vielen Eigentumswohnungen wird bereits in diesen Tagen die Heizkosten-Bilanz für 2011 gezogen, während Mieter oft erst Ende dieses Jahres ihre Abrechnungen erhalten. „Die Verbraucher sitzen alle in einem Boot: Die Nachteile der gestiegenen Energiepreise fressen wahrscheinlich die Vorteile des milden Winters auf“, sagte Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund in Berlin gestern unserer Zeitung.

Objektiv sei 2011 weniger Energie verbraucht worden. Nach Daten des Deutschen Wetterdienstes war das vergangene Jahr eines der fünf wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881. Demgegenüber steht aber ein deutlicher Anstieg der Ölpreise: Wie das Verbraucherportal Verivox ermittelte, erhöhten sich die Kosten 2011 bei Ölheizungen um 26 Prozent. Bei Gas seien es dagegen nur vier Prozent mehr gewesen - bei absolut ohnehin geringeren Kosten. Laut Verivox mussten Ölheizer - einen Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden vorausgesetzt - im Jahr 2010 noch durchschnittlich 1 306 Euro berappen, vergangenes Jahr habe die Verbrauchsmenge 1 648 Euro gekostet. Nutzer von Gasheizungen hätten beim gleichen Verbrauch 2010 durchschnittlich 1 195 Euro gezahlt. 2011 seien die Kosten um etwa vier Prozent auf 1 241 Euro gestiegen. Auch Fernwärme sei um ähnliche Beträge teurer geworden.

Bundesgerichtshof stärkt Verbrauchern den Rücken

Diesen Trend bestätigte der Mieterbundssprecher, wies aber gleichzeitig darauf hin, dass damit noch nichts über die tatsächlichen Rück- oder Nachzahlungen ausgesagt werden könne. „Die Vermieter bauen gerne Sicherheitszuschläge bei den Abschlagszahlungen für die Heizkosten ein. Und diese Zuschläge waren nach dem harten Winter 2010 für das vergangene Jahr besonders hoch“, sagte Ulrich Ropertz. Dies bedeute, dass wegen der höheren Beiträge jetzt vor allem für Nutzer von Gasheizungen Rückerstattungen möglich seien. „Ölheizungs-Nutzer sollten damit aber nicht rechnen“, so Ropertz. Die Abrechnungen sollten auf jeden Fall genau unter die Lupe genommen werden. „Es schleichen sich immer wieder Fehler ein“, so die Erfahrung des Mieterbunds. Ropertz weist darauf hin, dass für Mitglieder der Mietervereine die Prüfung der Abrechnungen jederzeit kostenlos möglich sei.

Auch der Bundesgerichtshof hat Verbrauchern den Rücken gestärkt: In einem Urteil, das kürzlich veröffentlicht worden ist, wurde der Anspruch auf eine verbrauchsabhängige Heizkostenabrechnung vom BGH bestätigt. „Die Entscheidung ist richtig und gerecht. Mieter haben Anspruch auf eine korrekte Abrechnung. Das bedeutet, der Vermieter muss die Kosten der tatsächlich während der Abrechnungsperiode ins Haus gelieferten Energie abrechnen“, kommentierte der Direktor des Mieterbundes, Lukas Siebenkotten, das Urteil. „Der Vermieter darf nicht einfach seine Abschlagszahlungen an den Energieversorger der Verbrauchsabrechnung zugrunde legen.“

Der Mieterbund wie auch andere Experten sehen keine Anzeichen für eine Entspannung bei den Energiepreisen. „Ich habe leider keine Glaskugel, in die ich schauen kann, aber Energie wird stetig teurer, und daran wird sich auch 2012 wohl nichts ändern“, sagte Ropertz. Der Hamburger Energie Informationsdienst (EID) sieht die Heizölpreise derzeit „auf einem hohen Preis relativ fest“. Für 2012 wird von allen Experten mit steigenden Heizkosten gerechnet.

Für Ulrich Ropertz bedeutet dies: „Die energetische Modernisierung von Gebäuden ist alternativlos.“ Wer langfristig Heizkosten einsparen wolle, könne dies nur über Wärmedämmung erreichen - oder einen geringeren Verbrauch. Ropertz: „Also auch den Thermostat einfach mal runterdrehen.“

Rubriklistenbild: © Daniel Gast/pixelio.de

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