Heizölpreise schwanken stark

Frankfurt - Angesichts der weltweiten politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen wird eine Einschätzung der Entwicklung bei den Heizöl preisen in Deutschland immer schwieriger. Von Marc Kuhn

Der Rohölpreis befinde sich derzeit fast auf dem Niveau des Vorjahres, sagte Hans-Jürgen Funke, Geschäftsführer des Verbands für Energiehandel Südwest Mitte (VEH), gestern in Frankfurt. Es gebe aber starke Schwankungen. Die Preise für Heizöl würden sich ebenfalls schnell ändern. Zurzeit würden sie leicht über jenen des Vorjahres liegen. Verbraucher müssen im Bundesdurchschnitt rund 91 bis 93 Euro pro 100 Liter bei einer Abnahme von 3000 Litern zahlen. Es sei sehr schwierig, eine Prognose für die weitere Entwicklung abzugeben, erklärte Funke weiter. Bernd Schilly, Vorstand des VEH, rechnet eher mit konstanten Preisen im Verlauf des Jahres. Der Verband vertritt die Interessen von etwa 560 meist mittelständischer Firmen aus dem Brennstoff- und Mineralölhandel. Zum Verbandsgebiet gehören neben Hessen auch Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Thüringen.

Große Ölkäufe in Europa würden die Preise für Rohöl ebenso hochtreiben wie der Atomstreit mit dem Iran und die Krise in Syrien, berichtete Funke. Zudem sinke die Produktion der Opec-Länder. Aber auch die Politik der Notenbanken in der Schuldenkrise würde für steigende Rohölpreise sorgen. Die Milliarden Euro, die sie in die Märkte pumpen würden, steckten Banken unter anderem in Warentermingeschäfte, dazu gehöre das Öl, erläuterte der zweite Vorsitzende des VEH, Ullrich Grube. „Das macht uns als Händlern das Leben schwer.“ Andererseits setzen die Schuldenkrise und hohe Ölbestände die Preise unter Druck.

Unter den Händlern herrscht darüber hinaus Unmut über die geringen Gewinnmargen. 65 bis 70 Prozent des Heizölpreises werde für das Produkt bezahlt, sagte Funke. 25 bis 27 Prozent machten Steuern aus. Den Rest verdiene der Händler. Grube erklärte, im Juni hätte der Verbraucher beispielsweise 0,82 Cent pro Liter bei einer Abnahme von 3 000 Litern zahlen müssen. 0,58 Cent davon entfielen auf das Produkt, 7,5 Cent auf die Energiesteuer und 13 Cent auf die Mehrwertsteuer. Funke sprach auch angesichts einer „sehr intensiven Wettbewerbssituation“ von einer schwierigen Branche.

Auf die Schwankungen bei den Heizölpreisen reagiere der Kunde stärker als früher, erklärte er weiter. Der gesunkene Verbrauch moderner Heizungsanlage führe dazu, dass ein Tank für einen längeren Zeitraum ausreiche, berichtete Schilly. Es müsse nicht jedes Jahr getankt werden, fügte Funke hinzu. „Der Kunde setzt den Tank gnadenlos als Puffer ein“, berichtete Grube.

Der Verbrauch von Heizungen in Deutschland ist von 1993 bis ins vergangene Jahr um fast 50 Prozent gesunken, wie Funke erläuterte. Eine ähnliche Entwicklung habe es in Hessen gegeben. Der Rückgang ist vor allem auf den Einsatz moderner Ölbrennwert-Technik zurückzuführen. Die Zahl der Anlagen ist im Zeitraum von 1993 bis 2011 mit etwa sechs Millionen konstant geblieben. In Hessen gibt es rund 450 000 Heizungsanlagen. Bundesweit haben die Händler im vergangenen Jahr etwa 18 Millionen Tonnen Heizöl verkauft, in Hessen rund 1,5 Millionen Tonnen.

Moderne Anlagen würden die Energie beim Verbrennen des Öls fast zu 100 Prozent ausnutzen, alte Geräte nur zu rund 68 Prozent, erklärte Funke. Dennoch gebe es eine „relativ hohe Zurückhaltung bei der Modernisierung“ von Anlagen. Der Verbraucher sei verunsichert durch ein „Wirrwarr“ bei den Förderprogrammen. Deshalb forderte der VEH klare Bedingungen. Mit einer modernen Heizungsanlage könne der Verbrauch um 15 bis 20 Prozent reduziert werden, berichtete Schilly. Dafür müsse der Verbraucher etwa 7 000 Euro investieren. In rund zehn Jahren würden sich diese Anschaffungsosten amortisieren, erläuterte Funke.

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