Hessens Arbeitsmarkt stabil

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Der hessische Arbeitsmarkt hat sich bisher erfolgreich gegen die internationale Wirtschaftskrise gestemmt.

Frankfurt ‐ Der hessische Arbeitsmarkt hat sich bisher erfolgreich gegen die internationale Wirtschaftskrise gestemmt, im Rhein-Main-Gebiet hatten die Unternehmen 2009 teils sogar Probleme damit, Stellen zu besetzen. Von Marc Kuhn

Die Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in Hessen wurde im vergangenen Jahr kaum von der Krise überlagert, wie Wolfgang Forell, Leiter der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit (BA) des Landes, gestern in Frankfurt sagte. Die Zahl der Arbeitsplätze habe Ende Juni bei mehr als 2.165.800 gelegen und sei genauso hoch wie im Vorjahresquartal. Für November würden die hochgerechneten Werte bei fast 2,2 Millionen Jobs liegen. Allerdings sei das im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 0,4 Prozent. „Die Betriebe nutzen verstärkt flexible Arbeitszeiten und Kurzarbeit, um Entlassungen zu vermeiden“, erklärte Forell.

Ende Juni des vergangenen gab es im Rhein-Main-Gebiet 1 685 880 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, wie die BA mitteilte. Im März seien es mehr als 1.693.500 gewesen. Im Kreis Offenbach ist die Zahl der Arbeitnehmer von gut 104.550 im März auf 102.016 im Juni gefallen, in der Stadt Offenbach von fast 45.150 auf mehr als 44.600. Im Main-Kinzig-Kreis wurden im Juni mehr als 109.600 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte registriert, im März waren es noch gut 110.300.

Allerdings konnte auch in der Wirtschaftskrise jeder zehnte Betrieb im Rhein-Main-Gebiet Stellen nicht besetzen, vor allem bei Ingenieuren und Akademikern, erklärte Professor Alfons Schmid vom Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur an der Goethe-Universität Frankfurt bei der Vorstellung einer Studie seines Hauses. Mit Blick auf die Zukunft gehen deutlich mehr Betriebe von zusätzlichen Einstellungen als von einem Stellenabbau aus. Fast jeder vierte Betrieb, der Akademiker beschäftigt, rechnet mit Neueinstellungen innerhalb der nächsten sechs Monate, heißt es in der Untersuchung.

Mangelhafte Mobilität der Arbeitnehmer

„Noch häufiger als bei den akademischen Beschäftigten geben Betriebe in der Region Rhein-Main an, dass sie Probleme haben, Stellen für Fachkräfte zu besetzten.“ Jeder zehnte Betrieb habe erklärt, im vergangenen halben Jahr keinen geeigneten Techniker oder IT-Experten für offene Stellen gefunden zu haben, und fast jedes fünfte Unternehmen habe Schwierigkeiten, eine Fertigungsfachkraft zu finden. Nur bei Kaufleuten gebe es kaum Probleme. „Insgesamt erscheint die Stellenbesetzungsproblematik bei Akademikern und Fachkräften vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Lage in der Region Rhein-Main hoch.“

Dass freie Jobs nicht besetzt werden können, erklärte Forell mit einem Problem der Vermittlung. Er klagt über eine mangelhafte Mobilität von Arbeitnehmern. Forell sagte zudem, Firmen, die Mitarbeiter suchen, müssten klare Profile definieren.

Er beobachtet in Hessen einen Rückgang bei der Vollzeitbeschäftigung. Davon seien besonders Männer betroffen. Zum Stichtag 30. Juni waren innerhalb eines Jahres knapp 17 000 Vollzeitstellen verschwunden. Gleichzeitig stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Teilzeitbeschäftigten um gut 16 600. Die Teilzeitjobs wurden zum größten Teil von Frauen übernommen. „Trotz Fachkräftebedarf arbeiten mittlerweile weniger als 50 Prozent aller Frauen in einer sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigung. Sie stellen den größten Teil der Teilzeitbeschäftigten und Minijobber. Hier sehe ich weiterhin noch großen Handlungsbedarf, um mehr Fachkräfte für die Unternehmen zu gewinnen“, erklärte Forell.

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