Hessische Chemiebranche legt deutlich zu

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Die chemisch-pharmazeutische Industrie in Hessen hat dieses jahr mehr Auszubildende und Stellen.

Frankfurt - Die chemisch-pharmazeutische Industrie in Hessen läuft auf Hochtouren. Gleichzeitig befürchtet sie Belastungen durch die von der Bundesregierung eingeleitete Energiewende und hat scharfe Kritik an der Gesundheitsreform geübt. Von Marc Kuhn

In diesem Jahr werde ein Produktionszuwachs von vier Prozent erwartet, erklärten die Verbände Hessenchemie und VCI gestern in Frankfurt. Im Februar hatten sie noch mit einem Wachstum von zwei Prozent gerechnet. In den ersten sechs Monaten hat die Produktion der chemisch-pharmazeutischen Industrie in Hessen um knapp sechs Prozent zugelegt.

Produktion wächst in klassischen Chemiesparten

In den klassischen Chemiesparten sei die Produktion im ersten Halbjahr um 3,9 Prozent gewachsen, berichtete der Vorstandsvorsitzende des Arbeitgeberverbandes Hessenchemie, Karl-Hans Caprano. Wegen der starken Nachfrage seien die Preise um durchschnittlich 7,8 Prozent gestiegen. Der Gesamtumsatz habe um zehn Prozent zugenommen. Dabei sei das Auslandsgeschäft mit einem Plus von zwölf Prozent deutlich stärker als die Umsätze im Inland gewachsen, die um 5,9 Prozent zulegten.

Hessens Pharma-Unternehmen haben im ersten Halbjahr ihre Produktion um fast acht Prozent hochgefahren. Allerdings seien die Preise um 1,3 Prozent gefallen, erläuterte Caprano. Die Auslandsumsätze seien um 10,9 Prozent erhöht worden. Im Inland seien die Erlöse dagegen um 4,4 Prozent gesunken.

Gas und Kohlekraftwerke sind nötig

„Im Inlandsgeschäft haben die Firmen sichtbar mit den Folgen der jüngsten Gesundheitsreform zu kämpfen“, sagte Bernd Reckmann, Vorstandschef des Verbands der Chemischen Industrie (VCI), Landesverband Hessen. Er machte für diese Entwicklung Zwangsrabatte und den Preisstopp verantwortlich. „Wir appellieren daher an die hessische Landesregierung, sich im Bund für eine Überprüfung von Zwangsrabatt und Preismoratorium einzusetzen“, erklärte Reckmann.

Die Energiewende sei aus Sicht der chemischen Industrie machbar, sagte der VCI-Vorsitzende weiter. „Die Stromkosten werden künftig steigen.“ Reckmann erklärte, die Belastungen der Branche müssten dauerhaft so begrenzt werden, dass Strom für die energieintensive Industrie bezahlbar bleibe. „Eine sichere Energieversorgung wird sich nicht alleine auf den Ausbau der erneuerbaren Energien stützen können.“ Auch Gas- und Kohlekraftwerke seien notwendig.

Erfreuliche Ausbildungszahlen

Die Zahl der Beschäftigten in Hessens Chemie-Industrie habe im ersten Halbjahr um knapp ein Prozent zugelegt, berichtete Caprano aus einer Verbandsumfrage. Sehr erfreulich seien die Ausbildungszahlen. Für das neue Lehrjahr hätten die Unternehmen 1 526 Ausbildungsplätze angeboten, etwa 100 mehr als 2010. Das sei der höchste Wert seit Abschluss des Chemie-Tarifvertrags „Zukunft durch Ausbildung“ im Jahr 2003, „Der Aufwand, ausreichend qualifizierte und ausbildungsreife Kandidaten zu finden, ist aber größer geworden.“

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