HRE: „Schwärzeste Stunde des deutschen Kapitalmarktrechts“

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Die Aktionäre machten ihrem Unmut auf der Hauptversammlung Luft.

München - Die Aktionäre der Hypo Real Estate (HRE) haben die außerordentliche Hauptversammlung der Bank für eine Generalabrechnung mit dem früheren Management genutzt.

Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) sprach am Dienstag in München von der schwärzesten Stunde des deutschen Kapitalmarktrechts. Es sei nicht nachvollziehbar, wie es bei einer funktionierenden Finanzaufsicht zu dem Desaster bei der Hypo Real Estate kommen konnte, sagte SdK-Sprecher Harald Petersen unter dem Beifall der Aktionäre. “Und jetzt sollen wir denen, die für den ganzen Mist verantwortlich sind, auch noch unsere Aktien geben.“

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“Wir sind am Anfang des Endes dieser Gesellschaft“, sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). “Die Aktionäre begleiten dieses Schauspiel mit einem Gefühl der Resignation und der Wut.“ Der alte Vorstand unter Georg Funke habe die Bank leichtfertig und fahrlässig gegen die Wand gefahren. “Zocken mit eigenem Geld mag erlaubt sein, aber nicht mit dem Vermögen der Aktionäre.“

Der heutige Vorstand verdiene zwar Unterstützung in seinem Bemühen um eine Sanierung, die geplante Kapitalerhöhung unter Ausschluss der Altaktionäre und vor allem der anschließende Squeeze-Out seien aber nicht akzeptabel, sagte Bergdolt. “Der Bund hat auch mit einer Mehrheit von 90 Prozent alle Fäden in der Hand. Ich appelliere deshalb an den Bund: verzichten sie auf diesen Squeeze-Out.“ 

Zusammenbruch hätte gravierende Folgen

Der Vorsitzende des staatlichen Bankenrettungsfonds SoFFin, Hannes Rehm, warnte, ein Zusammenbruch der Pfandbriefbank würde die Folgen des Zusammenbruchs der US-Bank Lehman Brothers “weit in den Schatten stellen“. Die Rettung der Bank “kann nicht mit einer bloßen Mehrheitsbeteiligung des Staates erreicht werden“, sagte Rehm unter den Buhrufen empörter Kleinaktionäre.

Der SoFFin will im Zuge einer Kapitalerhöhung und eines anschließenden Ausschluss von Investor Christopher Flowers und aller anderen Aktionäre 100 Prozent an der Bank übernehmen. Für den Erhalt der HRE sei viel staatliches Geld und dauerhaft zügiges Handeln notwendig. “Wir müssen ausschließen, dass die erforderliche Umstrukturierung durch Einzelinteressen gravierend verzögert, verteuert und kompliziert werden kann“, sagte Rehm.

Mit solchen Störmanövern gebe es leidvolle Erfahrungen. Als Staatsbank könne sich die HRE auch viel billiger wieder Geld am Kapitalmarkt leihen und so mittelfristig wieder in die Gewinnzone kommen. Das Interesse der einzelnen Aktionäre müsse daher hinter dem Interesse der Allgemeinheit zurückstehen, sagte Rehm, der sich nur mit Mühe gegen die Sprechchöre der Kritiker Gehör verschaffen konnte. “Wir sind froh, dass ein 100-prozentiger Kontrollerwerb auch ohne Enteignung in realistische Nähe gerückt ist“, sagte Rehm.

Bund will für 3 Milliarden Euro neue Aktien kaufen

HRE-Vorstandschef Axel Wieandt zeichnete ein bedrohliches Bild von der Lage der Bank. Sie sei nur mit massiven Liquiditäts- und Kapitalhilfen des Bundes überlebensfähig - ohne sie hätte die Bank “bereits Insolvenz beantragen müssen“. Deshalb “bitten Vorstand und Aufsichtsrat Sie heute in aller Eindringlichkeit um Zustimmung zu der Kapitalerhöhung“, sagte Wieandt: “Das Überleben kann nur von dem SoFFin kommen.“

Die Restrukturierung sei hochkomplex, und auch nach der jetzt anstehenden Kapitalerhöhung seien weitere Kapitalerhöhungen notwendig. Bei Zustimmung der Hauptversammlung würde der SoFFin rasch 986 Millionen neue Aktien für 2,96 Millionen Euro zeichnen und damit seinen Anteil von 47,3 auf 90 Prozent erhöhen. Anschließend werde der SoFFin die Altaktionäre gegen Zahlung einer “angemessenen Barabfindung“ aus dem Unternehmen ausschließen, sagte Wieandt unter dem Hohngelächter von Aktionären. 

Hohe Abschreibungen und enorme Kreditrisiken

Die HRE habe im vergangenen Jahr 5,5 Milliarden Euro Verlust gemacht, ihr “Geschäftsmodel hat sich als nicht krisenfest erwiesen“, auch 2009 und 2010 sei mit Verlusten zu rechen, erklärte Wieandt. “Die erforderlichen Mindestkapitalquoten sind deutlich unterschritten.“ Es drohten weiterer Abschreibungen und hohe Kreditausfälle. Besonders die Gewerbeimmobilien machten große Sorgen, hier summierten sich die Problemkredite auf 7,3 Milliarden Euro. Die Bank werde vom Bund und einem Bankenkonsortium mit Liquiditätshilfen von derzeit noch 100 Milliarden Euro gestützt und brauche daneben auch frisches Eigenkapital. Beides könne nur der Bund geben. Aber nur bei Ausschluss der übrigen Aktionäre sei der SoFFin bereit, dringend notwendiges Kapital in die Bank zu pumpen.

Ohne diese Hilfen bliebe “im Insolvenzfall für Sie als Aktionäre kein Liquidationserlös“. Der Wunsch der Aktionäre, im Unternehmen zu bleiben, sei zwar nachvollziehbar, aber nicht realistisch. Die HRE habe bereits fünf Standorte geschlossen, einzelne Tochtergesellschaften verkauft und den Abbau von 300 der 1.800 Stellen vereinbart. Weitere Schritte folgten bis zum Jahresende, sagte Wieandt. 

dpa/ap

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