Bahn stellt ICE 3 vor

Das lange Warten auf den neuen Zug

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Optisch ist der neue ICE an seiner aerodynamischen Nase und einem durchlaufenden Hochdach zu erkennen.

Frankfurt - Nach mehr als zwei Jahren Verzögerungen wegen Lieferproblemen ist der neue ICE 3 nun endlich im Einsatz. Gestern stellten Bahn und Siemens das neue Modell bei einer Präsentationsfahrt vor. Von Robyn Schmidt

Stammkunden der Deutschen Bahn sind Verspätungen ja durchaus gewohnt. Dass ein Zug allerdings mehr als zwei Jahre auf sich warten lässt, haben wohl auch sie noch nicht so oft erlebt. Doch beim neuen ICE 3 der Baureihe 407 war genau das der Fall. Nun aber ist das Warten endlich vorbei. Bei einer Präsentationsfahrt von Frankfurt nach Köln und wieder zurück hat die Bahn zusammen mit Siemens den neuen Zug offiziell vorgestellt.

Andreas Busemann, Vorstand Produktion der DB Fernverkehr, verspricht mehr Komfort in den neuen Zügen. Beispielsweise hängen neue Monitore mit Fahrtinformationen wie etwa der Geschwindigkeit oder der erwarteten Ankunftszeit von der Decke. Für Leute, die schwer zu Fuß sind, gibt es einen Hublift an den Türen und Haltegriffe am Kopfende der Gang-Sitze. Für Sehbehinderte wurden Fußbodenleisten, an denen man sich entlangtasten kann, sowie Sitzplatznummern in Blindenschrift angebracht. Eine neue Kopfform und ein durchlaufendes Hochdach machen den Zug aerodynamischer und somit energiesparender.

Verzögerter Start

Das neue Modell hat 444 Sitzplätze in acht Wagen, davon 111 in der ersten Klasse, und ein Bordrestaurant mit 16 Plätzen. Ein Zug kostet die Bahn zwischen 25 und 35 Millionen Euro. Bisher hat die Bahn vier Züge von Siemens erhalten. Diese sind hauptsächlich auf der Strecke Köln-Frankfurt-Stuttgart unterwegs. Die nächsten vier Züge soll die Bahn im März bekommen, neun weitere sind noch in der Produktion. Alte Modelle würden nicht ausrangiert, dafür sei der Bedarf zu groß.

Eigentlich sollten die ersten ICE 3 der Reihe 407 schon im Dezember 2011 zum Einsatz kommen. Wegen technischer Schwierigkeiten, aber vor allem wegen Problemen beim Zulassungsverfahren verzögerte sich der Start der neuen Züge immer mehr. „Die Anforderungen für eine Zulassung ändern sich fortlaufend. Wenn die Züge dann zum Einsatz kommen sollen, gelten andere Vorgaben als noch zwei Jahre zuvor, als der Zug designt wurde“, erklärt Siemens-Zug-Chef Jürgen Wilder die Probleme. Deshalb habe man zu Beginn des Procederes nicht alle Zulassungsthemen im Blick gehabt. Als Kompensation für die verspätete Lieferung erhält die Bahn einen kostenlosen 17. ICE, über weitere Kompensationen verhandeln die Siemens und Bahn noch. Zur Zeit arbeitet Siemens daran, für die Züge eine Zulassung in Frankreich und Belgien zu bekommen, um Fahrten nach Paris und Brüssel zu ermöglichen. Anschließend will die Bahn eventuell noch in Richtung London blicken. Einen Zeitpunkt, wann das geschehen soll, nennt Busemann aber nicht. Die Bahn will wohl weitere Verspätungen vermeiden.

Das ist der neue ICE 3

Mehr Komfort: Das ist der neue ICE 3

Dies misslingt allerdings schon bei der Präsentationsfahrt. Denn vor Beginn der Rückfahrt informiert eine freundliche Frauenstimme über Lautsprecher: „Auf Grund von Problemen beim Betriebsablauf wird sich unsere Abfahrt um wenige Minuten verzögern.“

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