Flexible Wege in den Ruhestand

Offenbach - In den verdienten Ruhestand geht es erst im Alter von 67 Jahren, das hat die Bundesregierung in ihrer Rentenreform durchgesetzt. Von Julian Fath

Die Realität sieht aber häufig anders aus: Manch älterer Angestellter leidet unter einer hohen Arbeitsbelastung, viele scheiden frühzeitig aus dem Berufsleben aus.

Für einen Kurswechsel in der Alterssicherung setzt sich die IG Metall ein. Gestern hat die IGM Offenbach einen Appell an Bundesregierung und Bundestag vorgestellt, für den sie Unterstützer sucht. „Wir verstehen nicht, warum die Bundesregierung über die Rentenversicherung immer noch sagt, es gibt kein Problem, alles wird gut“, sagte Marita Weber, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Offenbach.

Gerade die Berufe in der Metall- und Elektroindustrie seien häufig körperlich so anspruchsvoll, dass eine Arbeit bis ins hohe Alter für viele Beschäftigte undenkbar sei, so Alexandra Roßel, Betriebsratsvorsitzende bei „manroland“. Auch in Offenbach mache sich dies bemerkbar: Laut einer Studie der IG Metall seien in den befragten Unternehmen aus dem Großraum Offenbach nur 6,2 Prozent der unbefristeten Angestellten älter als 50 Jahre, so Weber. Bei befristeten Verträgen und Leiharbeitern liege der Anteil mit 3,6 beziehungsweise 2,1 Prozent noch niedriger. „Wenn es keine Mischung aus alten und jungen Mitarbeitern mehr gibt, gefährdet das den Betrieb. Wir wollen für alle Altersgruppen gesunde Arbeitsbedingungen“, sagte Gebhard Hofner, Gesamtbetriebsratsvorsitzender des Logistikunternehmens Dematic.

Nach Vorstellung der Gewerkschafter solle ein Rentenanspruch in voller Höhe nicht mehr vom Alter, sondern primär von der Lebensarbeitszeit abhängen, sagte Weber. Jeder mindestens 60-jährige Arbeitnehmer, der 40 Jahre lang in die Versicherung eingezahlt hat, würde dann eine abschlagsfreie Rente erhalten. Sinnvoll sei eine flexible Lösung, die die individuelle Belastung sowie Ausbildungs- und Studienzeiten, die Erziehung von Kindern und andere Aufwendungen berücksichtige. Weber forderte zudem eine neue Regelung für Altersteilzeitstellen, die verstärkt öffentlich gefördert werden sollten. Bis zum Jahr 2009 sei zum Beispiel eine Unterstützung durch Mittel der Bundesagentur für Arbeit möglich gewesen, die danach gestrichen worden sei. „Schon eine Rückkehr zur früheren Regelung wäre ein Fortschritt“, so Hofner. Ein genereller Kurswechsel in der Wirtschafts- und Sozialpolitik sei für eine umfassende Erneuerung der Alterssicherung unabdingbar, war sich Weber sicher. Mehrkosten in der Rentenversicherung ließen sich durch Umschichtungen ausgleichen. So sei es nicht nachvollziehbar, dass der Staat Dumpinglöhne mit Milliardenbeträgen subventioniere.

Auch die Sozialsysteme würden entlastet, wenn mehr ältere Menschen eine vollwertige Rente erhielten, anstatt in die Grundsicherung abzurutschen. Zugleich entstünde durch frühere Renteneintritte Potenzial für die Neueinstellung junger Arbeitnehmer.

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