Politik in die Pflicht genommen

Frankfurt (ku) - Die IHK in Hessen haben die Politik wegen der europäischen Schuldenkrise in die Pflicht genommen.

„Die Unternehmen brauchen wieder mehr Planungssicherheit“, erklärte Mathias Müller, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft hessischer Industrie- und Handelskammern (IHK). Die Politik müsse noch konsequenter handeln und langfristig tragende Lösungen für die Schuldenkrise präsentieren. Diese wirft bereits einen Schatten auf die hessische Wirtschaft. Mehr 90 Prozent der Firmen beurteilen ihre Geschäftslage zwar als gut oder befriedigend. „Die offenen Risiken dämpfen aber die Erwartungen der Unternehmen für die kommenden Monate“, erklärte Müller gestern bei der Vorstellung der Konjunkturumfrage der Arbeitsgemeinschaft hessischer Industrie- und Handelskammern.

IHK-Geschäftsklimaindex liege bei 121 Punkten

Der IHK-Geschäftsklimaindex liege bei 121 Punkten, ein Wert von 100 Zählern bildet die Grenze zwischen positiver und negativer Grundstimmung, hieß es weiter. Im Vergleich zur Umfrage im Frühsommer sei das ein Rückgang von elf Punkten. Die Wirtschaft in Hessen stehe nach wie vor auf stabilen Beinen, berichtete die Arbeitsgemeinschaft.

Die Firmen in Hessen schätzten ihre gegenwärtige Lage als gut ein. Die günstigen Beurteilungen seien um zwei Punkte auf 45 Prozent zurückgegangen. Die ungünstigen Beurteilungen würden unverändert bei neun Prozent liegen. Die Unternehmen blickten etwas skeptischer in die nächsten Monate als noch im Frühsommer. Insgesamt seien die Erwartungen jedoch positiv. 23 Prozent der Firmen würden mit besseren Geschäften rechnen, 15 Prozent gingen davon aus, dass sich ihre Geschäftslage verschlechtert.

„Das Tempo des weltwirtschaftlichen Wachstums wird sich in den nächsten Monaten verlangsamen“, so die Arbeitsgemeinschaft. Die Unternehmen würden die weitere Entwicklung einiger für Hessen wichtiger Handelspartner in Europa und den USA skeptischer als im Frühsommer beurteilen. Trotzdem würden lediglich elf Prozent mit weniger Ausfuhren rechnen. 30 Prozent der Betriebe erwarteten steigende Exporte. „Dies ist auf die nach wie vor günstigen Entwicklungen in den Schwellenländern zurückzuführen“, erklärte die Arbeitsgemeinschaft.

Jeder vierte Betrieb will seine Investitionen ausweiten

Die Investitionen in Hessen würden etwas langsamer zunehmen als bisher. Jeder vierte Betrieb wolle seine Investitionen ausweiten. Dies sei ein Rückgang um fünf Prozent im Vergleich zur Umfrage im Frühsommer. Der Anteil der Unternehmen, die weniger investieren wollten, sei mit 16 Prozent um zwei Punkte gestiegen. Die Mehrheit von 60 Prozent wolle diese Ausgaben konstant halten. „Hauptmotiv für die Investitionen ist der Ersatzbedarf.“

Trotz abgekühlter Geschäftserwartungen seien die Beschäftigungspläne der hessischen Firmen positiv. Jedes fünfte Unternehmen wolle Mitarbeiter einstellen, nur neun Prozent wollten Personal abbauen. Der Anteil der Betriebe, die die Mitarbeiterzahl konstant halten wollten, liege bei 71 Prozent. „Die hessischen Unternehmen spüren den Fachkräfteengpass immer deutlicher“, erklärte Müller. Immerhin jede dritte Firma in Hessen rechne künftig mit Problemen bei der Suche nach Fachkräften und schon heute hätten 39 Prozent der Unternehmen Schwierigkeiten, Stellen zu besetzen. Auf diesen Engpass wollten 48 Prozent mit mehr Ausbildung reagieren und 47 Prozent wollten mehr in die Weiterbildung der Mitarbeiter investieren. „Die Steigerung der Arbeitgeberattraktivität, Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie mehr Beschäftigung älterer Mitarbeiter stehen bei vielen Unternehmen ebenfalls auf der Agenda“, hieß es weiter.

Rubriklistenbild: © Pixelio.de/Kurt Michel

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