„Image muss Qualität entsprechen“

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Der neue Opel-Cheflobbyist Volker Hoff im Interview.

Der Mühlheimer Volker Hoff ist eine schillernde Persönlichkeit der hessischen Polit-Szene: Seit 1976 in der CDU, ab 1991 Landtag, zwischen 2006 und 2009 Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten.

Dann unschöne Schlagzeilen um Werbeagenturen und Geldwäsche (immer nur als Zeuge gehört); aus der Landesregierung scheidet er nach der Wahl 2009 aus. Nun soll er Opel als „Vice President Government Relations“ helfen, Kontakte zu Regierungen und frischem Image zu verhelfen. Unser Redakteur Alexander Klug hat sich mit ihm unterhalten.

Herr Hoff, wie gefällt Ihnen Ihr neuer Job nach so vielen Jahren in der Politik?

Ich bin gut bei Opel aufgenommen worden. Das halte ich keineswegs für eine Selbstverständlichkeit und ich war ziemlich überrascht. Immerhin stand da ein Politiker vor den Werkstoren. Ich bin mir sicher, dass das in die andere Richtung deutlich schwieriger gewesen wäre.

Was sagen Sie zur aktuellen Debatte um den Wechsel von Politikern in die Wirtschaft? Die Beispiele reichen von Gerhard Schröder über Dieter Althaus und Ole von Beust bis zu Silke Lautenschläger...

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Das ist doch eine rundum verlogene Diskussion. Wenn ein Politiker an seinem Stuhl klebt und nicht freiwillig geht, beschweren sich einige, das sei nicht in Ordnung. Aber wenn er sich selbst eine neue Herausforderung sucht und Initiative zeigt, ist das scheinbar auch nicht in Ordnung. Das passt nicht zusammen. Bei mir liegt zwischen der Arbeit in der Landesregierung und meinem neuen Job bei Opel ein Jahr. Ich denke, daran sollte sich niemand stören. Mein Landtagsmandat habe ich auch niedergelegt.

Was macht denn ein „Cheflobbyist“ den ganzen Tag?

Den Begriff „Cheflobbyist“ mag ich nicht. Er beschreibt das Arbeitsgebiet unvollständig und ist sehr politisch motiviert. Opel hat genauso Interessen wie andere Firmen und jeder einzelne, das ist völlig legitim. Sicher machen Kontakte zu Verwaltungen und Regierungen einen großen Teil meiner Arbeit aus. Aber konkrete Beispiele nehmen da die Dramatik heraus: Das reicht von Gesprächen mit der Stadt Rüsselsheim, die ein Grundstück zum Bau einer Straße von uns benötigt bis zur aktuellen Diskussion in Brüssel um eine EU-Gesetzgebung zum CO2-Ausstoß.

„Sind zu sehr mit uns beschäftigt“

Was hat sich verändert im Vergleich zum Job in der Politik?

Gar nicht so viel, wie man vielleicht denkt. In gewisser Weise war ich vorher Lobbyist für Hessen in Berlin und Brüssel, heute bin ich es für Opel in Europa. Ich bin immer noch viel unterwegs. Die größte Veränderung ist die Sprache: Jetzt läuft das meiste auf Englisch ab, da hatte ich es mit meinem Schulenglisch am Anfang durchaus schwer. Ein wichtiger Unterschied: Verglichen mit der Ministerposition sind jetzt mehr Menschen an Entscheidungen beteiligt.

Was hat Opel außer dem Abbau von 8.000 Arbeitsplätzen noch vor, um wieder auf die Beine zu kommen?

Wir sind noch immer zu sehr mit uns selbst beschäftigt. Das lässt sich aber im Moment nicht vermeiden, denn die Automobilindustrie muss weltweit Überkapazitäten abbauen, auch in Europa. Damit stehen wir also auch nicht allein da. Das ist schmerzhaft, geht aber nicht anders. Mit den Maßnahmen unseres Sanierungsprogramms werden wir dann aber unsere Hausaufgaben erledigt haben. Und daran leisten unsere Mitarbeiter einen großen Beitrag, denn sie verzichten auf viel Geld.

Und wie sieht es mit Ihrem eigentlichen Produkt aus, den Autos?

Wir investieren über elf Milliarden Euro in unser Produkt, in neue Modelle und wir sind führend beim Thema Elektroauto. Im nächsten Jahr startet der Opel Ampera, und es ist unter anderem an mir, die nötigen Kontakte zu den richtigen Stellen in Regierungen und Unternehmen zu knüpfen. Außerdem versuchen wir, als Marke Opel neue Märkte mit vielen Menschen zu erschließen. Dazu zählen zum Beispiel China, Israel oder Chile. Wir haben ein klares Ziel: Das Image der Marke Opel muss den Qualitäten unserer Autos entsprechen. Modern, technisch hochwertig, flexibel und frisch. Opel ist viel besser als sein Ruf. Am Anfang haben mich einige gefragt, ob ich denn jetzt auch einen Opel als Dienstwagen fahren muss. Dass diese, eigentlich bescheuerte Frage ernst gemeint war, beschreibt unser Problem. Doch dieses Problem lösen wir.

„Unsägliche Kampagne gegen mich und die CDU“

Wie sieht es denn mit einer Rückkehr in die Politik aus?

Ich glaube nicht, dass es mich nochmal in die Politik zieht. Dieses Kapitel ist abgeschlossen. Es war eine schöne Zeit für mich und im übrigen auch erfolgreiche Zeit für Hessen, aber irgendwann ist es auch genug. Meine neue Aufgabe füllt mich aus. Und in meinem Alter tut es gut, die eingeschlagenen Pfade noch einmal zu verlassen und etwas Neues zu beginnen. Ich fühle mich zu jung, um dem hessischen Steuerzahler schon als Pensionär auf der Tasche zu liegen.

Welche Rolle spielt dabei die alte Geschichte um die Werbeagentur, deren Geschäftsführer Sie waren? Einer der Beschuldigten ist zu elf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden.

Das war eine unsägliche Kampagne gegen mich und die CDU. Niemand hat sich damals mit meiner Arbeit als Minister auseinander gesetzt. Und es ist absichtlich der Eindruck erweckt worden, ich sei Beklagter in dem Verfahren. Eine Zeitung, aber nicht meine Heimatzeitung Offenbach-Post, hat sogar versucht, mich zum Haupttäter zu machen. Dabei war ich im gesamten Verfahren nur als Zeuge geladen, verurteilt wurden andere.

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