Jeder zweite Ex-Roländer hat neuen Job

Offenbach - Jeder zweite ehemalige Mitarbeiter des Ende 2011 in die Insolvenz geschlitterten Offenbacher Druckmaschinenbauers „manroland“ hat einen Job gefunden. Gleichzeitig können die restlichen Ex-Roländer auf weitere Unterstützung hoffen. Von Marc Kuhn

Nach ihrer Kündigung unterschrieben 894 Betroffene bei der Transfergesellschaft PRM einen Vertrag, wie deren Geschäftsführerin Silke Wohlgemuth gestern in Offenbach sagte. Die Gesellschaft, die sie fit für neue Arbeitsplätze machen soll, war von den Alteigentümern des zahlungsunfähigen Unternehmens, Allianz und MAN, im Februar für ein halbes Jahr mit 24 Millionen Euro ausgestattet worden.

Bis Ende Juli seien 52 Prozent der Betroffenen vermittelt worden, erklärte die erste Bevollmächtigte der IG Metall Offenbach, Marita Weber. Die Quote liege weit über den Erwartungen, berichtete Alexandra Roßel, die Betriebsratsvorsitzende von Manroland Sheetfed, wie die Firma nach Übernahme durch die britische Langley-Gruppe heißt. Da noch Geld übrig sei, werde die Transfergesellschaft im August weiter arbeiten, erläuterte Weber. Zurzeit müssten noch 420 Menschen vermittelt werden, sagte Wohlgemuth.

Fast alle haben Arbeitsplätze im Rhein-Main-Gebiet gefunden

Sie erklärte weiter, vor allem Ingenieure, Mechatroniker und Elektriker seien bisher in neue Jobs vermittelt worden. Fast alle haben Arbeitsplätze im Rhein-Main-Gebiet gefunden - beispielsweise beim VDE-Institut oder beim Offenbacher Maschinenbauer Vibra. Viele vermittelte Ex-Roländer sind zwischen 40 und 50 Jahre alt. „Ab 58 ist eine Vermittlung sehr, sehr schwierig“, erklärte Wohlgemuth.

Weber berichtete, dass die Arbeitsagentur 5,35 Millionen Euro aus dem Europäischen Globalisierungsfonds beantragt habe. Die IG-Metall-Chefin zeigte sich zuversichtlich, dass das Geld zugeteilt wird. Mit den dann für neun Monate zur Verfügung stehenden Mitteln sollen Qualifizierungen für Beschäftigte aller „manroland“-Standorte und den Zulieferern finanziert werden, die ihren Job wegen der Insolvenz verloren haben.

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Bisher wurden für Ex-Mitarbeiter des Standorts Offenbach von „manroland“ 11,7 Millionen Euro aufgewendet. Etwa zehn Millionen Euro seien für Sozialversicherungsbeiträge und die Aufstockung auf 80 Prozent des letzten Gehalts gezahlt worden, berichtete Wohlgemuth. Rund 1,7 Millionen Euro seien für Qualifizierungen verwendet worden.

Zufrieden zeigte sich Weber mit der Entwicklung von Manroland Sheetfed, zu der die Beschäftigten mit einem Gehaltsverzicht von acht Prozent in diesem Jahr beitragen müssen. Darüber hinaus habe man sich mit der Geschäftsführung darauf geeinigt, dass zwölf Auszubildende im Sommer unbefristet übernommen werden. Positiv bewertete Weber, dass 125 Vertriebsmitarbeiter dem Standort Offenbach zugeordnet werden.

Rubriklistenbild: © dpa

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