Ex-Exportweltmeister

Kommentar: Kein Grund zur Panik

Das trifft der Deutschen Selbstbewusstsein. Im Krisenjahr 2009 ist die Konjunktur mit einem Minus von fünf Prozent so stark eingebrochen wie nie seit dem Zweiten Weltkrieg. Von Frank Pröse

Mit diesem Einbruch verknüpft ist der Verlust eines hierzulande prestigeträchtigen Titels, der in Serie gewonnen werden konnte: Jetzt aber ist Deutschland nur noch Exportvizeweltmeister. Hinter China! Schlimmer hätte es ja wohl kaum kommen können. Der enorme Rückgang der wirtschaftlichen Leistung - geschenkt. Der mit der höheren Schuldenaufnahme verbundene Verstoß gegen den EU-Stabilitätspakt - völlig nebensächlich! Es zählt einzig der Titel. Und der ist futsch. Verloren an die staatlich geförderten und von der völlig unterbewerteten Währung Yuan profitierenden Exporteure von Plüschtieren, Billig-Textilien und Plastik-Krimskrams...

Nur keine Panik. So sehr der Titel in der Vergangenheit im nicht gerechtfertigten Überschwang als Beleg für die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produkte auf dem Weltmarkt gefeiert wurde, so wenig gibt der Verlust des Platzes an der Sonne Anlass zur Depression. Denn erstens ist Umsatz nicht alles, auf die Rendite kommt es an. Und die ist bei Billigware unterirdisch. Zweitens bleibt Deutschland beim Technologie-Export ganz vorne. Und drittens wird bei der Titelvergabe der für moderne Volkswirtschaften immer wichtigere Dienstleistungssektor nicht berücksichtigt. Bei der Ausfuhr dieser Serviceleistungen liegt Deutschland zwar hinter den USA - aber vor China.

Was wirklich zählt ist also Klasse statt Masse. Und da liefern sich die USA und Deutschland ein Kopf-an-Kopf-Rennen. In dieser Liga ganz oben mitzuspielen ist erstrebenswerter als der vermeintlich prestigeträchtige Titel des Exportweltmeisters.

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