Computermesse in Köln

Kommentar: Keine Angst vor Spiele(r)n

Durch den Sand robben. Deckung hinter einer Hausecke. Eine kurze Salve aus dem Sturmgewehr, und der Soldat neben dem Auto sackt in sich zusammen. Gewonnen. Nein, es geht nicht um Bilder aus dem Irak-Krieg, sondern um eine Szene auf einem Computermonitor irgendwo in Deutschland. Von Alexander Klug

Vielleicht in Offenbach, vielleicht aber auch in Köln. Dort präsentiert sich bis Ende der Woche die Branche der digitalen Unterhaltung bei der Computerspiele-Messe Gamescom. Gestern Sucht-Diskussion, heute mit „World of Warcraft“ (gibt es jemanden, der es nur einmal die Woche eine Stunde lang spielt? Wirklich?) und „Call of Duty“ (Kriegseinsätze rund um den Globus) in der Erfolgsspur, morgen wieder Sucht und Gewaltverherrlichung?

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Für viele ist der Fall klar: Wer solche Kriegsspiel-Bilder (womöglich stundenlang) sieht, auf den geht die dargestellte Gewaltbereitschaft über. Während das modische Lamento der Kritiker regelmäßig durch die Schlagzeilen kreischt, gehen einordnende Stimmen weitgehend unter – von gesicherten Erkenntnissen ganz zu schweigen. Doch gerade der Vergleich mit „Sucht-Klassikern“ wie Alkohol und Zigaretten zeigt doch zumindest eines: Sucht ist schlimm. Aber sie ist kein Phänomen der angeblich so verrohten Jugend, sich in glitzernde und knallende Welten zurückzuziehen.

So einfach ist es nicht – schon immer wurde geflüchtet, es sieht heute nur anders aus. Damit kommt mancher nicht klar und wünscht sich, das „üble Neue“ einfach per Gesetz zu verbieten. Als ging es darum, das „Übel“ zu erkennen, zu verbannen und weiter zu machen wie vorher. Aber das geht nicht. Das ging noch nie.

Kluft ist groß, Misstrauen programmiert

Unkenntnis dominiert die Diskussion. Manches ist ja gar nicht strittig: Sicher ist Dauer-Zockerei in vielerlei Hinsicht nicht gut. Aber: Jede aufregende Aktivität kann zur Sucht werden, die den „normalen“ Tagesablauf unterbricht. Das ist alles andere als neu, nur anders: Der Umgang der jüngeren Generation mit Computerspielen und auch dem Internet hat mit dem derer, die blind den drohenden Untergang verhindern wollen, wenig gemeinsam.

Die Kluft ist groß, Misstrauen programmiert: Die einen haben Wählscheiben gedreht und konnten niemandem sagen, dass sie zur Verabredung zu spät kommen – die anderen lernen sich per Facebook kennen, quatschen per Skype und spielen an der Wii zusammen Golf. Auch wenn’s schwer fällt: Es führt kein Weg daran vorbei, sich damit auseinander zu setzen, was gespielt wird. Vielleicht sieht der Nachwuchs das Ganze ja unverkrampfter als befürchtet. Und wer weiß – vielleicht macht das eine oder andere Spiel ja sogar dem Ex-Wählscheibendreher Spaß.

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