IG Metall

Keine Zeit für Rituale

Für Illusionen ist angesichts der wirtschaftlichen Situation in weiten Teilen der Metallbranche in diesem Frühjahr 2010 einfach kein Platz. Im Wissen darum hat sich die Führung der IG Metall entschlossen, auf Muskelspiele als Vorspiel von Tarifgesprächen zu verzichten. Von Manfred Brackelmann

In einer 180-Grad-Kehrtwende zur vorausgegangenen Runde mit der Rekordforderung von acht Prozent mehr Geld sucht sie jetzt ohne bezifferten Anspruch den Dialog, stellt Jobsicherung ganz in den Vordergrund. Und stößt bei den Arbeitgebern auf offene Ohren: In einer Zeit, da viele Firmen mit dem Rücken zur Wand stehen und oft große Teile von Belegschaften ihren Arbeitsplatz dem ungeliebten, doch existenzrettenden Instrument der Kurzarbeit verdanken, wären die Rituale der Vergangenheit schlicht fehl am Platz.

Unfreiwillig, doch in Erkenntnis der Krisenzwänge verhandeln beide Seiten damit mehr auf Augenhöhe als je zuvor. Dabei ist es vor allem Gewerkschaftschef Huber gelungen, die eher defensive Position der nach wie vor größten deutschen Gewerkschaft nicht allzu deutlich werden zu lassen: Sein Vorstoß für sichere Arbeitsplätze mit konkreten Begleitvorschlägen wirkt so nachvollziehbar als Offensive, dass dies auch an der Basis gut zu rechtfertigen sein dürfte. Und für die von Huber ins Spiel gebrachte weitere Arbeitszeitverkürzung mit Teil-Lohnausgleich gibt es sehr wohl funktionierende Beispiele, etwa in der Stahlindustrie.

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