Ärger mit Commerzbank

Kommentar: Überzeugende Strategie fehlt

Im Aktienkurs der Commerzbank spiegelt sich der Niedergang des Geldhauses wider: In den vergangenen 13 Jahren haben die Papiere etwa 97 Prozent an Wert verloren.

Mit fünf Kapitalerhöhungen hat das Institut Milliarden von Euro vernichtet - das Geld ist an der Börse dahingeschmolzen. Nur mit einem Kunstgriff konnte die Commerzbank verhindern, dass die Aktie das Schicksal von Werten am einstigen Neuen Markt ereilte und zum Penny-Stock verkam: Sie wurden im Mai zum Zehnerpack zusammengelegt - sonst wäre der Kurs unter einen Euro gerutscht.

Angesichts der massiven Kursverluste überrascht es nicht, dass die Commerzbank als Übernahmekandidat gehandelt wird. Der Bund, der die Bank in der Lehman-Krise mit Milliarden an Steuergeldern rettete, wird seine Anteile nur allzu gerne abgeben. Vor den Wahlen im September wäre das auch politisch ein geschickter Schachzug. Kommt es doch sicherlich beim Bürger an, wenn die Bundesregierung sich von ungeliebten Bankbeteiligungen trennt und die Staatskasse füllt. Allerdings steht wegen des niedrigen Aktienkurses unter dem Strich ein dickes Minus.

Die Tage von Commerzbank-Chef Martin Blessing dürften derweil gezählt sein. Zwar hat er nicht zuletzt mit dem Abbau von tausenden Stellen die Kosten gesenkt. Die Bilanz konnte er dennoch nicht aufpolieren. In- und externe Probleme belasten sie immer wieder. So haben der Schuldenschnitt für Griechenland und die höheren Kapitalanforderungen der Europäischen Bankenaufsicht enorm viel Geld gekostet.

Zudem war der Kauf der Eurohypo 2005 für 4,6 Milliarden Euro eine Fehlinvestition. Nach hohen Verlusten muss der Hypothekenfinanzierer abgewickelt werden. Ebenso steigt die Commerzbank nach enormen Schwierigkeiten aus dem Geschäft mit Schiffskrediten aus. Und auch die Übernahme der Dresdner Bank 2008 hat nicht den erhofften Schub gebracht.

Nun setzt die Commerzbank auf das Privatkundengeschäft und die Mittelstandsbank. Gleichzeitig werden erneut massiv Jobs abgebaut. Sie dürften in der täglichen Beratung fehlen. Schon jetzt sind die Erträge im Privatkundengeschäft eher dürftig.

Massive Kursverluste, keine Dividende, aber enorm gestiegene Managergehälter: Die Commerzbank hat neben wirtschaftlichen Herausforderungen auch noch ein Imageproblem. Bisher kann sie indes keine überzeugende Strategie aufzeigen, die aus der Krise führt. Das dürften potenzielle Käufer ähnlich sehen. Entweder werden Investoren bei einem Einstieg einen klaren Strategiewechsel fordern oder sich zurückhalten. Die Commerzbank steht weiter vor schweren Zeiten.

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