Duell der großen deutschen Fluglinien

Kommentar: Air Berlin im Sturzflug

Im Duell der beiden größten deutschen Airlines bekommt die Lufthansa zunehmend Auftrieb, während Air Berlin aufpassen muss, nicht völlig abzustürzen. Von Achim Lederle

Die deutsche Nummer eins ist auf dem besten Weg, sich neu aufzustellen: Das Sparprogramm „Score“, das allen Lufthansa-Sparten herbe Einschnitte verordnet hat, trägt erste Früchte. Der Aktienkurs der Kranichlinie ist so hoch wie seit 2007 nicht mehr. Bereits 2015 will die Lufthansa wieder einen operativen Milliarden-Gewinn schreiben. Die Chancen dafür stehen gut, weil zum Umschwung auch ein neues Gesicht kommt. Carsten Spohr übernimmt ab heute den Steuerknüppel von Christoph Franz. Spohr hat versprochen, den Sparkurs des Vorgängers weiterzuführen und er hat den dauerhaften Höhenflug fest im Blick.

Das Sparprogramm von Air Berlin heißt „Turbine“. Dieser Antrieb hat aber bislang völlig versagt: 600 Vollzeitstellen wurden abgebaut, aber weitere 300 Millionen Euro Verlust im Jahr 2013 geschrieben und ein Schuldenberg von jetzt fast 800 Millionen Euro angehäuft. Air-Berlin-Chef Wolfgang Prock-Schauer will nun „alles auf den Prüfstand“ stellen. Optimismus klingt anders...

Air Berlin hat in der Vergangenheit viel zu wenig unternommen, um sich klar auf dem Markt zu positionieren. Das Unternehmen fliegt Urlauber nach Mallorca und Geschäftsleute nach London, das Schwanken zwischen Billigfliegerei à la Ryanair und seriösem Angebot à la Lufthansa wurde und wird zurecht kritisiert. Mit diesem fliegerischen Eiertanz schreibt Air Berlin auf Dauer keine schwarzen Zahlen. Zudem ist völlig offen, wie lange die Staatslinie Etihad aus Abu Dhabi als größter Aktionär noch die Geduld hat, regelmäßig Millionen zuzuschießen, um die Fluglinie in der Luft zu halten.

Wie es mit Air Berlin weiter geht, steht in den Sternen. Auf jeden Fall wird es „keine Tabus“ geben. Auch dies ein Zitat von Prock-Schauer. Im großen Duell der deutschen Airlines ist die Lufthansa klar im Aufwind und scheint als Gewinner festzustehen. Auf „Wolke sieben“ ausruhen kann sich im knallharten Geschäft um die Passagiere aber keine Fluglinie.

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