Russisches Roulette

Kommentar: Betrug mit Arzneimitteln

Bislang glauben ja noch immer viele, dass Medikamenten-Fälschungen insbesondere in der Dritten Welt oder in Schwellenländern im Umlauf sind. Doch mittlerweile gelangen solche Präparate auch in den Internethandel oder sogar in unsere Apotheken. Von Peter Schulte-Holtey

So ziehen deutsche Zollfahnder immer mehr illegale und gefälschte Arzneimittel aus dem Verkehr. Es ist ein übles kriminelles Geschäft. Wurden früher vor allem gefälschte Medikamente gegen Haarausfall oder Erektionsstörungen auf den Markt gebracht, werden inzwischen zunehmend auch Mittel zur Behandlung von schweren Erkrankungen wie Krebs, HIV, Alzheimer, Bluthochdruck, Depressionen oder Rheuma gefälscht. Die Arzneimittel-Verbrecher erzielen milliardenschwere Umsätze mit wirkstoffarmen, verschmutzten oder sogar giftigen Arzneien. Manchmal verwenden sie ähnliche chemische Substanzen wie im Original, die vielleicht sogar eine ähnliche Wirksamkeit haben. Auf Nebenwirkungen getestet wurden diese aber nie. Und oft ist außer billigen Inhaltsstoffen, die gar nicht für den menschlichen Verzehr geeignet sind, überhaupt kein Wirkstoff enthalten.

Die skrupellosen Kriminellen gefährden die Gesundheit von Hunderttausenden. Die Konsumenten spielen russisches Roulette mit ihrer Gesundheit. Arzneimittelkäufer sollten also misstrauischer denn je sein. Gerade im Internet lauern viele unseriöse Verkäufer; sie bringen vor allem die legalen, kontrollierten Internet-Apotheken in Verruf. Grundsätzlich sollten Vertriebswege und Arzneimittelverpackungen sicherer gemacht werden, um Fälschungen zu erschweren.

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Einige Schritte in die richtige Richtung sind bereits getan: Wer eine Arznei online bestellen will, kann über das Register Dimdi – www.dimdi.de – untersuchen, ob der Anbieter seriös und für den Internethandel zugelassen ist. Auch das Projekt „securPharm“ ist hoffnungsvoll; so sollen alle Medikamentenpackungen in Zukunft einen fälschungssicheren Barcode erhalten. Wenn das tatsächlich vollständig umgesetzt worden ist, kann jede einzelne Arzneimittelpackung über eine individuelle Kennung von der Herstellung bis zur Abgabe verfolgt werden. Weitere Maßnahmen müssen folgen.

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