Die Rache der Märkte

Kommentar zur China-Krise und Weltwirtschaft

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Achim Lederle

Offenbach - Der Börseneinbruch in China strahlt zunehmend auf die Weltwirtschaft aus. Der Koloss wankt; und er könnte die globale Ökonomie in eine Krise reißen, die der von 2008 um nichts nachsteht. Von Achim Lederle

Es könnte, aber es muss nicht so kommen. Noch sind die deutsche Konjunktur und auch die EU-Ökonomie so stark, dass selbst mittelgroße Verwerfungen in China wenig Auswirkungen haben. Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise sieht zum Beispiel keine Anzeichen für einen globalen Abschwung und spricht von „überzogenen Rezessionsängsten“. Andere Experten sind da anderer Meinung und verweisen darauf, dass der chinesischen Regierung außer massiven Eingriffen an der Börse über Stützungskäufe bislang wenig zur Krisenbewältigung eingefallen ist und der Elefant China die Weltökonomie durchaus platt drücken könnte.

Das Grundproblem in China ist, dass mit planwirtschaftlichen Mitteln versucht wird, in marktwirtschaftliche Strukturen einzugreifen. Diese Mittel sind zum Scheitern verurteilt, weil sich das Spiel von Angebot und Nachfrage an der Börse nicht durch staatliche Interventionen beeinflussen lässt. Neben realwirtschaftlichen Faktoren ist Psychologie an den Aktienmärkten ein wichtiger Faktor. Dies wurde von der Führung in Peking unterschätzt, und der Markt rächt sich nun auf seine Weise.

Solange es China nicht gelingt, mehr Marktwirtschaft zu etablieren und Wirtschaftsreformen durchzusetzen, die diesen Namen auch verdienen, solange wird auch die Börse nicht zur Ruhe kommen. China muss weg vom einseitigen Wirtschaftswachstum über Exporte und Anlageinvestitionen, weil sich das Land damit zu sehr von der globalen Nachfrage abhängig macht. Die schwächelt, und deshalb geht es dem Exportweltmeister schlechter. China hat es versäumt, in Binnenwachstum zu investieren. Auch dies rächt sich nun. Das „Reich der Mitte“ hat es also selbst in der Hand, für einen Umschwung zu sorgen. Ob dies der jetzigen Führung in Peking gelingt, muss allerdings bezweifelt werden.

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