Ein Tiefschlag

Kommentar: Deutsche Bank braucht Geld

Den Schritt hatte der Vorstand in der Vergangenheit zwar nicht ausgeschlossen. Die Chefs der Deutschen Bank wollten aber einen anderen Weg gehen. Nun muss das größte Geldinstitut des Landes doch zum Instrument der Kapitalerhöhung greifen. Von Marc Kuhn

Ein Tiefschlag kurz vor der Hauptversammlung am Donnerstag - zumal in dieser Größenordnung. Mit dem Slogan „Leistung aus Leidenschaft“ wirbt die Deutsche Bank - die eigene Leistung hat wohl nicht ausgereicht. Mehr Geld muss her. Vor allem den gestiegenen regulatorischen Anforderungen muss die Bank gerecht werden. Und das ist gut so. Sonst müsste der Steuerzahler bei einer Krise wieder in die Bresche springen. Aber auch die noch laufenden Prozesse dürften für das Institut teuer werden. Die niedrigen Zinsen und der Konzernumbau belasten zusätzlich. Zudem dürften die selbst gesteckten Ziele zum Beispiel im Privatkundengeschäft und Investmentbanking verpasst werden.

Offenbar reichen die Gewinne der Deutschen Bank nicht aus, um die Rücklagen kräftig zu erhöhen. Das Geldhaus hätte auch die Dividende zusammenstreichen können. Dann wären aber die Großaktionäre auf die Barrikaden gegangen. Deshalb gehen Jürgen Fitschen und Anshu Jain den Weg des geringsten Widerstands - sie geben neue Aktien aus. Wer schon Anteilsscheine hält, dürfte sich ärgern. Wird der Kurs doch weiter verwässert. Er liegt ohnehin unter dem Wert vergangener Kapitalerhöhungen.

Angesichts des Griffs nach dem Rettungsanker müssen sich Fitschen und Jain die Frage gefallen lassen, ob sie die Risiken richtig eingeschätzt haben. Und die Aktionäre dürften überlegen, ob das richtige Duo an der Spitze des Instituts steht. Zumal Deutschlands größte Bank noch weit davon entfernt ist, zu den internationalen Universalbanken wie JP Morgan Chase aufzuschließen. Deren Börsenwert liegt viel höher als der der Deutschen Bank. So braucht das Institut viel Eigenkapital, wenn es im globalen Ringen der Banken nicht unter die Räder kommen will.

Der Preis dafür ist recht hoch. Katar hat bei der Deutschen Bank nach der Kapitalerhöhung ein Wort mitzureden. Wie stark der Scheich ins operative Geschäft eingreift, bleibt abzuwarten. Die Erfahrungen von hiesigen Unternehmen mit arabischen Investoren sind unterschiedlich. Katar sitzt im Aufsichtsrat von VW und lässt den Autokonzern wirtschaften. Bei der angeschlagenen Air Berlin versucht Etihad aus Abu Dhabi das Geschäft umzukrempeln. Sicher ist nur eins: Die Deutsche Bank kommt so schnell nicht in ruhiges Fahrwasser.

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