Kommentar: Eine lange Durststrecke

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Marc Kuhn

Während internationale Großbanken - vor allem in den USA - nach der Finanzkrise nun wieder Milliardengewinne einfahren, legte der deutsche Branchenprimus Horrorzahlen auf den Tisch.

Für die neue Doppelspitze mit Anshu Jain und Jürgen Fitschen war es der denkbar schlechteste Einstieg: Sie mussten gestern den Gewinneinbruch bei der Deutschen Bank erklären.  Vom Libor-Skandal über den Kirch-Prozess bis zum vermuteten Steuerbetrug beim Verkauf von CO2-Zertifikaten - die Liste der Skandale bei dem Geldhaus ist lang. Und das Vertrauen ist längst dahin - nicht nur in die Deutsche Bank. Die ganze Branche steht am Pranger. Jain und Fitschen ist es indes nicht gelungen, mit ihren Plänen zu überzeugen. So ließen sie offen, ob die Rückstellungen für mögliche Strafzahlungen ausreichen. Da scheint noch einiges im Argen zu liegen. Dieser Kurs wird Investoren kaum zufriedenstellen.

Mit Skepsis dürfte auch der zum wiederholten Mal beschworene Kulturwandel aufgenommen werden. Dass dieser angesichts der Affären alternativlos ist, wird niemand bestreiten. Da Fitschen gleichzeitig auf Spekulationen mit Lebensmitteln pocht, dürfte kaum jemand der Deutschen Bank den Sinneswandel abnehmen.

Darüber hinaus wird beim „Normalbürger“ die Boniregelung auf wenig Verständnis stoßen. Die Sonderzahlungen werden immerhin gekürzt - von insgesamt 3,6 auf 3,2 Milliarden Euro. Eine erstaunliche hohe Summe angesichts der miesen Zahlen. Zumal gleichzeitig wieder Jobs abgebaut werden. Nein, die Deutsche Bank hat noch eine lange Durststrecke vor sich. Will sie Reputation zurückerlangen, muss das Duo hart durchgreifen. Nur so kann das Geldhaus im klassischen Bankgeschäft mit Privat- und Geschäftskunden punkten.

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