Ermittlungen gegen Deutsche Bank

Kommentar: Ist der Ruf erst ruiniert...

„Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.“ Wird das Wilhelm Busch zugeschriebene Zitat zum neuen zynischen Wahlspruch der Deutschen Bank? Von Achim Lederle

Die Reputation des Geldhauses leidet auf jeden Fall in diesen Tagen weiter. Mit dem neuen Führungsduo Jürgen Fitschen/Anshu Jain sollte endlich der Umschwung geschafft werden. Hier der seriöse Banker ohne Fehl und Tadel Fitschen, dort der gewiefte Investmentmanager Jain. Zwei Gegenparts zum Vorgänger, dem unnahbaren Schweizer Josef Ackermann, der in der Öffentlichkeit als Erzkapitalist verschrien war. Zwei Charaktere, mit denen die Deutsche Bank sowohl die Oma mit den Ersparnissen (Fitschen) als auch abgezockte Hedgefonds-Manager (Jain) wieder mehr an sich binden wollte.

Und nun das! Ausgerechnet Jürgen Fitschen soll 2009 seine Unterschrift unter eine Steuererklärung gesetzt haben, die von den Staatsanwälten als Beleg für millionenschweren Umsatzsteuerbetrug angesehen wird. Angeblich war der damalige Vorstandschef Ackermann, der eigentlich hätte gegenzeichnen sollen, außer Haus, so dass Fitschen eingesprungen sei. Diese Unterschrift könnte ihn und die Bank teuer zu stehen kommen.

Teuer wird für die Deutsche Bank wohl auch der Rechtsstreit mit den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch. In dem Prozess wird heute ein Urteil erwartet, und es sieht danach aus, dass auf das Geldhaus eine Niederlage und hohe Schadenersatzforderungen zukommen.

Die Geschichte der Deutschen Bank ist in den vergangenen Jahren eine Geschichte der Prozesse und Peinlichkeiten. Es begann mit Untreue-Ermittlungen im Mannesmann-Prozess 2004 unter anderem gegen Josef Ackermann. Das Verfahren gegen ihn endete 2006 gegen Zahlung von 3,2 Millionen Euro. Ebenfalls 2006 wurde Ex-Deutsche-Bank-Chef Hilmar Kopper wegen Insiderhandels angeklagt. Dieses Verfahren wurde eingestellt. Koppers Nachfolger Rolf Breuer musste sich in mehreren Prozessen wegen der Kirch-Pleite verantworten. Hier wird seit 2011 auch gegen Ackermann ermittelt, der im Prozess gegen Breuer die Unwahrheit gesagt haben soll.

Die Öffentlichkeit erinnert sich zudem an das legendäre „Peanuts“-Zitat von Hilmar Kopper oder das Victory-Zeichen von Ackermann nach seinem (vermeintlichen) Sieg im ersten Mannesmann-Prozess 2004.

All dies wirft kein gutes Licht auf den deutschen Branchen-Krösus. Kurzfristig wird sich daran nichts ändern. Egal, wie die neuen Ermittlungen gegen Fitschen und Co. ausgehen, der Start des Führungsduos ist bereits gänzlich misslungen. Statt eines geräuschlosen Neuanfangs gerieten die ersten Monate zum holprigen Desaster.

Vielleicht hilft der Deutschen Bank ja ein neuer Slogan? Noch regiert die „Leistung aus Leidenschaft“ aus der Ära Ackermann. Weiter weg denn je erscheint der Werbespruch aus den 90er-Jahren: „Vertrauen ist der Anfang von allem“. Diesen Slogan sollte sich die Bank allerdings zu Herzen nehmen, er wäre weit besser als das Busch-Zitat.

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