Fusion in Telekom-Branche

Kommentar: Verbraucher zahlt Zeche

Ähnliche Versuche sind schon in der Vergangenheit unternommen worden - nun klappt es: Der Mobilfunkkonzern KPN verkauft seine deutsche Tochter E-Plus an den Wettbewerber Telefonica mit O2. Damit werden die Gewichte auf dem heiß umkämpften deutschen Markt erheblich verschoben. Von Marc Kuhn

Mit der Fusion entsteht ein Marktführer, der an den bisherigen Platzhirschen Telekom und Vodafone vorbeizieht. Die Vorteile liegen auf den Hand: Das neue Unternehmen wird durch die Zusammenlegung der Mobilfunknetze Milliarden sparen.

Aus wirtschaftlicher Sicht eine Notwendigkeit. Stehen doch enorme Investitionen in die Netze an, da sie immer größere Datenmengen immer rascher transportieren müssen. Aber auch die Umsatzzahlen alleine des vergangenen Quartals belegen den Druck, unter dem Telefonica Deutschland und E-Plus stehen. Schließlich sind die Erlöse aus den mobilen Diensten ebenso wie bei Vodafone deutlich zurückgegangen. Eine Entwicklung, die bereits lange der Telekom zu schaffen macht.

Für E-Plus zeichnet sich ein weiterer Vorteil ab. Hat sich die KPN-Tochter doch beim schnellen Internetstandard LTE bisher zurückgehalten, während Telekom, Vodafone und Telefonica den Ausbau forcieren. Der Kunde wird angesichts des enormen Angebots künftig großes Interesse am raschen Internet haben. Deshalb müssen sich die Telekomanbieter hier positionieren - eine Chance für E-Plus und O2.

Aber auch für die Zukunftsmärkte könnten sich neue Konstellationen abzeichnen. Schließlich versucht Vodafone derzeit, sich Kabel Deutschland einzuverleiben, um mit der Telekom, die Mobilfunk, Breitband-Internet und TV bietet, auf Augenhöhe zu kommen. Telefonica Deutschland, die hinter O2 steht, hat auch Breitband-Internet im Angebot. Das aus E-Plus und O2 fusionierte Unternehmen könnte in ferner Zukunft versuchen, ebenfalls als integrierter Anbieter aufzutreten. Alle oder zumindest mehrere Kommunikationswege aus einer Hand - davon träumt der Kunde.

Ironischerweise dürfte der Zusammenschluss selbst bei Telekom und Vodafone ankommen: Ein Konkurrent fällt weg, der Wettbewerb wird entschärft. Die Zeche könnte allerdings der Verbraucher zahlen. Wenn sich weniger Firmen den Telekommunikations-Kuchen teilen, lässt der Druck auf die Preise nach.

Solche Befürchtungen könnten die Kartellbehörde auf den Plan rufen. Sie muss die Fusion noch absegnen. E-Plus und O2 werden ihre Marktmacht erheblich ausbauen. Deshalb ist fraglich, ob die Kartellwächter das Vorhaben durchwinken.

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