Gabriels Pokerspiel

Kommentar zu Fusionsplänen für Supermärkte

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Marc Kuhn

Sigmar Gabriel pokert hoch. Das Bundeskartellamt hatte die Übernahme der Supermärkte von Kaiser´s-Tengelmann durch Edeka abgelehnt - aus Sorge um den Wettbewerb in Deutschland. Zu Recht. Die Marktmacht von Edeka ist schließlich groß. Von Marc Kuhn

Auch die Monopolkommission, die die Bundesregierung berät, hatte sich gegen Fusionspläne gestellt. In ihrem Gutachten äußerte sie im Sommer erhebliche Zweifel am Erhalt der Arbeitsplätze im Fall einer Fusion, sah vielmehr einen Bedarf für Restrukturierungen und damit für Jobabbau. Angesichts des dichten Filialnetzes von Edeka und auch wegen Doppelstrukturen an einigen Standorten sind diese Befürchtungen durchaus nachvollziehbar. Mit diesen Argumenten im Hinterkopf hat der Bundeswirtschaftsminister gestern die Daumenschrauben angesetzt. Gabriel stellt harte Bedingungen für seine Ministererlaubnis. Er will damit den Verkauf von Filialen sowie den befürchteten Stellenabbau verhindern. Ein löbliches, typisch sozialdemokratisches Vorhaben. Allerdings können Einschnitte so nur für mindestens fünf Jahre verhindert werden. Für die Mitarbeiter ist es aber zumindest eine Chance, ihre Zukunft in einem anderen Unternehmen zu planen.

In den Chefetagen von Edeka wird man nun genau ausrechnen, ob sich der Deal zu diesen Bedingungen noch lohnt. Kann die Durststrecke überwunden werden, dürfte es in fünf Jahren zu Restrukturierungen kommen. Springt Edeka ab, hat Tengelmann ein Problem. Die Supermärkte schreiben seit 15 Jahren rote Zahlen. Gelingt der Verkauf von ihnen - auch in Teilen - nicht, droht das Aus. Insgesamt also trübe Aussichten. Gabriel versucht mit seiner Politik die Folgen des Verdrängungswettbewerbs auf dem deutschen Lebensmittelmarkt abzufedern - mehr geht nicht.

Wofür die Deutschen ihr Geld ausgeben

Für Verbraucher und Lebensmittelproduzenten wird ein Zusammenschluss der Ketten auch unter den Auflagen wohl eher negativ sein. Die Marktmacht von Edeka würde wachsen, der Wettbewerb leiden, der Druck auf die Preise nachlassen.

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