Deutsche Bank

Kommentar: Sparen ist angesagt

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Kommentar von Marc Kuhn

Die Deutsche Bank kann sich vor einem Umbau ihrer Geschäfte nicht länger drücken. Ihrem gerade geschassten Chef John Cryan ist vorgeworfen worden, dabei zu zögerlich vorgegangen zu sein. Dies kostete ihn den Job. Von Marc Kuhn 

Aber auch beim neuen Vorstandsvorsitzenden Christian Sewing gab es in diesem Punkt zunächst Zweifel. Schließlich sitzt er seit 2015 in dem Führungsgremium und hat die Entscheidungen von Cryan stets mitgetragen. Die Vorbehalte scheinen jedoch verfrüht gewesen zu sein. Sewing greift jetzt durch. Es wird auch Zeit, dass er gegensteuert. Die Beseitigung von Altlasten – auf die Cryan setzte – reicht für die Neuausrichtung der Bank nicht aus.

Sparen ist sicherlich ein richtiger Weg – auch beim Personal. Die Geldhäuser sind angesichts der Entwicklung in der Branche immer noch zu breit aufgestellt. Die nationale und internationale Konkurrenz der Deutschen Bank hat schon reagiert. Die Commerzbank streicht beispielsweise längst Stellen. Schließlich besuchen wesentlich weniger Kunden als früher Filialen. Sie setzen verstärkt auf das Online-Banking. Nun muss die Deutsche Bank die Digitalisierung ihrer Geschäfte vorantreiben. Der Schritt ist überfällig. In diesem Bereich ist die Commerzbank bereits weiter.

Zum Sparkurs gehört aber auch, dass die Boni für das Management in Frage gestellt werden. Der Aktienkurs der Deutschen Bank ist im Keller. Die Dividenden für Anteilseigner sind extrem niedrig. Das Führungspersonal gönnt sich allerdings üppige Zahlungen. Das geht überhaupt nicht.

Nachvollziehbar ist zudem, dass die Deutsche Bank das globale Handelsgeschäft reduzieren will. Es wird immer schwieriger, mit US-Instituten mitzuhalten. Ihnen werden Auflagen, die als Konsequenz aus der internationalen Finanzkrise gezogen wurden, erleichtert, während die Regulierung in Europa ausgebaut wird. So ist es allzu logisch, dass sich das Vorzeigeinstitut auf deutsche und europäische Unternehmen konzentrieren will.

Das reicht aber nicht aus. Sewing muss eine klare Strategie vorlegen, um Investoren und Mitarbeiter zu überzeugen. Er sollte endlich sagen, wie sein Haus künftig Geld verdienen will. Neben Firmen müssen dabei Privatkunden in den Fokus genommen werden.

Für den Umbau der Deutschen Bank braucht Sewing indes einen langen Atem. Es gibt schließlich viele Baustellen. Und: Ein so großer Tanker wie das deutsche Premiuminstitut ist schwer umzusteuern. Bleibt zu hoffen, dass Sewing mehr Zeit vergönnt ist als Cryan. Sonst sieht es düster aus für die Deutsche Bank. Einen weiteren neuen Chef in so kurzer Zeit kann sie sich nicht leisten.

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