Minuszinsen gehen alle an

Kommentar: Hilferuf der Sparkassen

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Frank Pröse

Diese hat durch die ihr eigene Auslegung des Mandats im Kampf gegen Mini-Inflation und europäische Konjunkturschwäche eine äußerst verzwickte Situation geschaffen, laufen doch im Banken- und Versicherungsgeschäft die Zinserträge gegen Null. Von Frank Pröse

Gleichzeitig „bestraft“ die EZB die Institute, wenn sie ihre Einlagen bei der Zentralbank halten. Schlagzeilenträchtig lässt deshalb der bayerische Sparkassenverband prüfen, ob es wegen dieses verlustreichen Geschäfts nicht sinnvoller ist, das Geld in den eigenen Tresoren zu belassen. Das Denkmodell ist eher als ein Hilferuf zu verstehen. Denn noch verlangt die EZB lediglich Strafzinsen von minus 0,3 Prozent. Da liegen die Kosten für die Einlagerung des Geldes im Tresor höher. Außerdem gibt es logistische Probleme.

Fachleute gehen davon aus, dass die EZB den „Strafzins“ beziehungsweise negativen Einlagenzins künftig noch erhöhen wird. Wo hier die Schmerzgrenze liegt, ab der die Kunden ihr Geld lieber abheben anstatt für dessen Verwahrung bei der EZB oder auch der Hausbank zu bezahlen, darüber gehen die Meinungen auseinander. Ein Bonmot im Zusammenhang mit der Debatte um die Abschaffung des Bargelds sei in diesem Zusammenhang erlaubt: Würde Bares abgeschafft, könnten der Traum aller Schuldner und der Albtraum aller Gläubiger wahr werden, dann könnten nämlich die Zinsen beliebig gesenkt werden, denn den Bankkunden wäre ja die attraktivere Möglichkeit genommen, das Geld privat zu bunkern

Bisher wehren sich Banken noch flächendeckend vehement dagegen, Negativzinsen direkt an ihre Kunden weiterzugeben. Zu groß ist der Wettbewerb unter den Instituten, flüchtende Kunden kann sich keiner erlauben. Also geraten die Kosten ins Visier der Strategen. Fusionen bei den genossenschaftlichen Instituten sind beschlossene Sache. Im Sparkassenlager ziert man sich in dieser Hinsicht noch etwas, wird aber um eine Straffung der Organisation ebenfalls nicht umhinkommen. Letztlich wird sich der Zwang zur Konzentration auch aufs Filialnetz der gesamten Branche und damit durchaus auch auf die von Kunden so geschätzte, aber zumeist nicht wertgeschätzte Erreichbarkeit von Bankdienstleistungen auswirken. Eingeschränkte Geschäftszeiten und Beratung nur mehr nach Absprache dürften weitere Folgen auch der Niedrigzins- beziehungsweise Negativzinspolitik der EZB sein.

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