Kommentar zu Schlecker: Verheerende  Bilanz einer Milliardenpleite

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Frank Pröse

Einst war Anton Schlecker der Drogeriekönig. Aus seinem 1975 eröffneten ersten Laden wurde ein Konzern, der in seinen Glanzzeiten europaweit mehr als 55.000 Menschen beschäftigte. Von Frank Pröse

Und noch vor wenigen Jahren hätte man sich als Außenstehender nicht vorstellen können, dass ein Insolvenzverwalter die Schlecker-Kette einmal schließen muss. Intern war freilich schon eine Ahnung da, dass der Fall ins Bodenlose nicht mehr lange auf sich warten lassen würde. Denn das heute redselige Management hatte es offensichtlich mit einem beratungsresistenten Familienunternehmer zu tun. Anton Schlecker hielt noch an seinen Maximen fest, als die Konkurrenz schon enteilt war. Er war nicht mehr der billigste Anbieter, hatte einen schlechten Ruf, verfolgte eine überholte Filialstrategie und hielt elektronische Warenwirtschaftsysteme offenbar für Teufelszeug.

Schlecker hatte schon vor Jahren abgewirtschaftet. Erst jetzt wird die Ladentür geschlossen - erstaunlich spät, aber immer noch zu früh für Tausende Mitarbeiterinnen. Die hatten jedoch nie eine wirkliche Chance angesichts von einer Milliarde Euro Schulden, leerer Regale und fehlender Kunden. Für sie wird es allen politischen Beschwichtigungen zum Trotz keineswegs leicht, selbst im wirtschaftlich starken Rhein-Main-Gebiet einen neuen, sozialversicherungspflichtigen Job zu finden. Viele dieser Frauen waren Haupternährer ihrer Familien und dringend auf ihr Schlecker-Einkommen angewiesen. Das ist die verheerende soziale Bilanz dieser Milliardenpleite.

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