Einfaches ist zu kompliziert

Kommentar zur Kennzeichnung von Lebensmitteln

Mit vielen Regelungen erleichtert die EU den Bürgern in den Mitgliedsländern das Leben nicht, im Gegenteil wird vieles verkompliziert. Von Achim Lederle

Die neue Lebensmittelinformations-Verordnung (LMIV) - nomen est omen - ist ein weiteres Beispiel für zu viel Bürokratie, zu viel Rücksicht auf Lobby-Interessen und zu wenig gesunden Menschenverstand. Ein Ärgernis für viele Verbraucher ist die zu kleine Schrift auf Verpackungen. Hier hat sich die EU dazu durchgerungen, dass die Hersteller die Schriftgröße um 0,3 (!) Millimeter vergrößern müssen. Ein Witz, finden nicht nur Verbraucherschützer, die monieren, dass auch in Zukunft munter in weißer Schrift auf durchsichtige Folie gedruckt werden darf. Leichtere Lesbarkeit sieht anders aus.

Anderes Beispiel: Nach mehr als dreimonatiger Übergangsfrist soll ab 1. April 2015 bei fast allen Fleischsorten mitgeteilt werden, wo das Tier aufgezogen und geschlachtet worden ist. Ein Fortschritt, sicher. Aber: Woher das Tier tatsächlich stammt, erfährt der Verbraucher nicht. Bei Hackfleisch oder Fleisch als Zutat reicht die Angabe: Kommt aus der EU. Die Fleisch-Lobby hat ganze Arbeit geleistet. Transparente Herkunftsangabe sieht anders aus.

Aber es ist nicht alles an der „LMIV“ schlecht: Mehr Verbraucherinformationen gibt es künftig bei online bestellten Lebensmitteln. Auch Nährwertangaben werden verpflichtend - allerdings erst ab Dezember 2016. Ein Nicht-EU-Land zeigt der Gemeinschaft, wie Lebensmittel-Informationen einfach und prägnant verbessert werden können: Seit Juni 2013 hat Großbritannien die Ampel für Lebensmittel eingeführt. Auf einen Blick sind Fett-, Zucker-, Salz- und Kaloriengehalt erkennbar. Die Regelung hat sich bewährt - und obwohl sie freiwillig ist, ziehen aus Wettbewerbsgründen alle großen Lebensmittelhersteller auf der Insel mit. Ampel statt LMIV: So sieht eine einfache Lösung aus. Die ist der EU aber offensichtlich zu simpel.

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