Krise bei Opel

Kommentar: Extrem hoch gepokert

Kämpferischer Mut hat den Bochumer Opelaner nie gefehlt. Mit wilden Streiks zwangen sie 2004 den Mutterkonzern General Motors in die Knie und verhinderten Massenentlassungen. Und auch jetzt lassen sie sich den Schneid nicht abkaufen.

Respekt vor soviel Solidarität mit Betriebsratschef Rainer Einenkel, der von den anderen deutschen Opel-Werken mit seinem zähen Widerstand alleingelassen wurde!.

Bochum ist bei den Kollegen in Rüsselsheim und Eisenach längst abgeschrieben. Und die wirtschaftlichen Fakten geben den Skeptikern Recht: Zweistellige Absatzverluste und gigantische Überkapazitäten schreien nach drastischen Notoperationen. Vom Zwang, rasch zu handeln, werden sich die GM-Manager diesmal nicht abbringen lassen. Die Drohung, Bochum bei einem Nein zum Sanierungsplan früher zu schließen, ist alles andere als eine leere Floskel.

Mit ihrer Ablehnung pokern die Mitarbeiter im Revier extrem hoch. Nur mit unkalkulierbarem Risiko lassen sich im besten Fall ein paar Zugeständnisse herauskitzeln, zum Beispiel etwas konkretere Zusagen für den Erhalt von dauerhaft 1200 Jobs am Standort. Doch am Kern des GM-Plans ist kaum zu rütteln: Das Ende der Autoproduktion kommt, und das wird nicht ohne den Verlust von Arbeitsplätzen abgehen. Die Perspektive des Sanierungsplans, inklusive Transfergesellschaft bis Ende 2018 eine Beschäftigungsmöglichkeit zu haben, sollte nicht verspielt werden. Chance und Risiko stehen bei diesem Kampf in einem ungünstigen Verhältnis.

Die Bochumer sind dabei, den Bogen zu überspannen.

Rubriklistenbild: © dpa

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