Lebensversicherer in der Klemme

Kommentar: Rednite nicht mehr lukrativ

Einst galt die Lebensversicherung als der Deutschen liebstes Anlageprodukt. Vielleicht auch weil der Gesetzgeber immer ein sehr waches Auge auf diese Art der Altersvorsorge geworfen hat, vertrauten Bürger ihr in etwa 90 Millionen Verträgen etwa eine Dreiviertelbillion Euro an. Von Frank Pröse

Doch die goldenen Zeiten sind vorbei. Wer heute sein Leben versichert und das noch mit der Altersvorsorge kombiniert, der muss bescheiden sein. Angelehnt an den starken Rückgang der Kapitalmarktzinsen haben auch die Zinsgutschriften nicht mehr viel zu bieten. Die garantierte Rendite für den Sparanteil der eingezahlten Beiträge liegt oft noch unter dem staatlichen Garantiezins von 1,75 Prozent. Bei zugleich sinkenden Überschussbeteiligungen und angesichts anziehender Inflation lässt sich dann vielfach nur der Kapitalerhalt erwirtschaften. In diesem Umfeld leidet der Ruf der Kapitallebensversicherung als gleichermaßen sichere wie lukrative Anlage.

Das Problem der Branche:Angesichts der anhaltenden Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank ist Besserung nicht in Sicht. Das erschwert auch den Umgang mit den Altkunden, deren versprochene Rendite von bis zu vier Prozent nicht mehr zu erwirtschaften ist. Verbraucherschützer sind aber die bisher vorgenommenen Abschläge zu üppig. Die Unternehmen seien relativ gut durch die Krise gekommen, deshalb seien die Abschläge alles andere als fair. Darüber lässt sich sicher trefflich streiten, so kann ja eine Niedrigzinsphase von etwa drei Jahren bei Laufzeiten von 30, 40 Jahren kein Grund für radikale Abzinsungen sein, die in einigen Fällen Festgeld rentierlicher erscheinen lassen.

Die Niedrigzins-Probleme machen die Branche nervös – und die Kundschaft hellhörig. Letztere stellt jetzt akribischer denn je die Renditen auf den Prüfstand. Und da könnte sich herausstellen, dass das Geld direkt in Aktien der Assekuranz statt in deren Lebensversicherung investiert unterm Strich lohnender hätte sein können. Und dies selbst dann, wenn zusätzlich eine Risiko-Lebensversicherung abgeschlossen worden wäre.

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