Verständnis schwindet

Kommentar zum Flugbegleiter-Streik bei der Lufthansa

Bei der Lufthansa stehen die Zeichen auf Streik - mal wieder. Diesmal wollen die Flugbegleiter ihre Interessen durchsetzen. Aber auch mit den Piloten und dem Bodenpersonal schwelt der Konflikt. Von Marc Kuhn

Marc Kuhn

Die Stewardessen und Stewards langen nun richtig zu: Eine ganze Woche wollen sie Deutschlands größte Airline lahmlegen. Allerdings ist fraglich, ob sich das Management davon beeindrucken lässt. Bei den Kunden dürfte das anders aussehen. Dort schwindet das Verständnis wohl rapide. Zwar ist es das gute Recht der Flugbegleiter, für ihre Interessen einzustehen. Doch ist das Angebot für die Gehälter nicht gerade schlecht. Und bei der Alters- und Übergangsversorgung kämpfen sie für Regelungen und Verzinsungen, die in anderen Branchen schon lange nicht mehr gelten. Deshalb sollte ein Kompromiss zwischen Stewardessen und den Lufthansachefs möglich sein - bei den Piloten sieht es ähnlich aus.

Schließlich sägt nicht nur das Bordpersonal an dem Ast, auf dem es sitzt. Die Lufthansa muss sich in einem hart umkämpften Markt neu aufstellen - allen Widerständen zum Trotz. Gestern ließ sich der Billigflieger Ryanair zum Beispiel für gute Geschäftszahlen feiern. Gleichzeitig schickte Lufthansa seine Tochter Eurowings erstmals auf die Langstrecke - sie muss sich den Kostenstrukturen der Günstig-Konkurrenz stellen. Und auch die arabischen, vom Staat gepäppelten Airlines setzen der Lufthansa zu. Steuert die Lufthansa nicht um, gerät sie in Turbulenzen - ähnlich wie Air Berlin, die mittlerweile ums blanke Überleben kämpft.

Nebel bremst Flugverkehr in London aus

Die lang währenden Streiks bei der Lufthansa gefährden aber wichtige Güter der Airline: Vertrauen und Zuverlässigkeit. Wenn die Kunden sich nicht mehr auf die Kranichflieger verlassen können, wechseln sie zur Konkurrenz oder zur Bahn. Die langfristigen Folgen der Ausstände können gravierender sein als kurzfristige Erfolge.

Rubriklistenbild: © dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare